NS-Provenienzforschung und Restitutionen in der USB

Restitutionen

Exlibris Elise und Helene Richter

November 2014 - Restitution der Richter-Bibliothek

Was jahrelang unmöglich schien, konnte schließlich doch noch realisiert werden: die Restitution der in der USB Köln befindlichen Bücher von Elise und Helene Richter. Dank der professionellen Unterstützung durch den Historiker Dr. Max Bloch gelang es, Kontakt zu den in England lebenden Erben der Wiener Schwestern aufzunehmen. In diesem besonderen Fall einer Restitution an insgesamt drei Erben hat sich die USB vom Justiziariat der Universität beraten lassen. Im Einvernehmen mit den Erben wurde beschlossen, einen finanziellen Ausgleich zu leisten. Dazu wurde der in der USB befindliche Torso der ehemaligen Richter-Bibliothek von einem vereidigten Schätzer untersucht und bewertet. Die rund 550 sprachwissenschaftlichen Bücher bleiben der Universität somit weiterhin für Lehre und Forschung erhalten. Von den Erben wurde die Restitution als "to be a fair and just solution relating to the matter of the Nazi confiscation of their library" beurteilt.

Publikation:

Hoffrath, Christiane: Bücherspuren – das Schicksal von Elise und Helene Richter und ihrer Bibliothek im "Dritten Reich",
2. durchgesehene und ergänzte Auflage, Köln 2010, 225 S., ISBN 978-3-412-20651-2, € 39,90

Presseartikel:

Crossland, David: Germans pay for Nazi library
In:The Times Europe, Berlin, (Online-Version) 26.11.2015

Kiepels, Sandra: Universität gibt Raubgut zurück: Kölner Bibliothek profitierte vom NS-Regime - Langwierige Suche nach den Erben
In: Kölner Stadt-Anzeiger, 24.11.2015, S. 19 (Druckversion)
Online-Version u.d.T.: Universität Köln gibt Nazi-Raubgut zurück, 24.11.2015

Exlibris Bruno Marwitz

2014, Juli - Rückgabe an den Enkel von Bruno Marwitz

[Exlibris von Bruno Marwitz]

Bruno Marwitz (16.6.1870-23.11.1939) war ein jüdischer Rechtsanwalt, der mehr als 40 Jahre lang am Landgericht Berlin zugelassen war. Daneben schrieb Marwitz rechtswissenschaftliche Werke, darunter grundlegende Kommentare zum deutschen Urheberrecht. 1933 entzogen ihm die Nationalsozialisten zunächst das Notariat, bevor 1938 das Berufsverbot erfolgte. Der Büchersammler und Bibliophile wurde als einer der so genannten "Anwälte ohne Recht" aus den bibliophilen Vereinigungen in Deutschland ausgeschlossen. Bruno Marwitz starb 1939 in Berlin. Seine Witwe Helene, geb. Pniower (1875-1942) wurde 1942 bei einem Fluchtversuch an der Schweizer Grenze festgenommen und deportiert. Unmittelbar nach ihrer Ankunft im KZ Riga wurde sie ermordet.

Das Buch "Les Amours du Chevalier de Faublas" von Louvet de Couvray, vol. 3, Paris: Tardieu, 1821 mit dem Exlibris von Bruno Marwitz wurde als Geschenk in die USB Köln eingeliefert. Der Schenker ist leider nicht bekannt. Die USB Köln restituierte das Buch an den Enkel von Bruno und Helene Marwitz, Dan (Daniel) Marwitz in Haifa, Israel.
Durch die Recherchen der USB ist es auch den Bibliotheken der FU Berlin und der UB München möglich, die dort vorhandenen Bücher aus der Bibliothek von Bruno Marwitz zu restituieren.

 

Ansprechpartnerin für NS-Provenienzforschung und Restitutionen in der USB: