Plädoyer für die Pergamenthandschrift - gedruckt 1494

Trithemius, Johannes: De laude scriptorum. - Mainz: Peter von Friedberg, 1494. Signatur: AD+BL58

Johannes Trithemius (1462-1516) war Abt der Benediktinerabtei Sponheim und ab 1506 des Schottenklosters in Würzburg. In seiner Amtszeit wurde die Klosterbibliothek von Sponheim von 48 auf 2000 Bücher erweitert.

Auf der Rückreise vom Generalkapitel der Bursfelder Kongegration im September 1492 bat Gerlach von Breitbach, Abt des Benediktinerklosters St. Heribert in Deutz, seinen Abtskollegen um eine Schrift, durch die er seine Mitbrüder für das Abschreiben geistlicher Texte begeistern könne. Dieser Bitte kam Trithemius umgehend nach. Schon einen Monat später lieferte er sein bereits 1492 verfasstes „Lob des Schreibers“ zusammen mit zwei Abschriften anderer Texte nach Deutz.

In seinem Werk verteidigt Trithemius die Tätigkeit des schönen Schreibens von Hand gegenüber dem Druck, obwohl er selbst den Text, wie sein gesamtes vielfältiges Werk, drucken ließ, damit er weite Verbreitung fand. Bevor die Inkunabel 1494 bei Peter von Friedberg in Mainz erschien, überarbeitete er den Text noch einmal stilistisch. Vermutet wird, dass er an der typographischen Gestaltung des Druckes mitwirkte, da das „Layout“ eher an eine Handschrift erinnert.

Trithemius nennt antike Schreiber als sein Vorbild und lobt den Schreiberfleiß der Benediktiner. Das Werk gliedert sich in 16 Kapitel, dem ein Einleitungs- und Widmungstext an den Abt Gerlach von Breitbach vorangestellt ist. Bereits dort findet sich eine Passage, die sich gegen den Buchdruck richtet: „Der Buchdruck nämlich hängt vom Papier ab und dieses wird in kurzer Zeit völlig zerstört. Der Schreiber jedoch, der seine Buchstaben dem Pergament anvertraut, sichert sich und dem, was er schreibt, langdauerndes Gedächtnis.“

Das muss gemacht werden:

Einband:
Reinigen, Fehlstellen im Leder ergänzen

Buchblock:
Reinigen, Papierrestaurierungen vornehmen, Bünde ergänzen

Restaurierungskosten: 1.100,75 Euro

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Berühmte Weissagungen eines rätselhaften Astrologen - gedruckt 1527

Lichtenberger, Johannes: Prognosticatio. - Lateinische Ausg. Mainz: Johannes Schoeffer 1526. -  Deutsche Ausg. Vorrede Martin Luther. Stephan Rodt [Übers.] Wittemberg: Hans Lufft 1527. Signatur: RHKG665 und RHKG666

1488 erschien das Hauptwerk Prognosticatio oder auch Practica des Astrologen Johannes Lichtenberger „Claromontanus“ (um 1426-1503) zunächst anonym. Es handelt sich dabei um astrologische Auslegungen und Weissagungen eines bis in die Reformationszeit wirkenden Propheten aus dem Elsass, der wohl auch Hofastrologe Kaiser Friedrich III. war. Sein Buch ist stark geprägt von der Erwartung eines Endkaisers und des Erscheinens falscher sowie eines wahren „kleinen“ Propheten.

Lichtenberger hielt Veränderungen in Kirche und Staat für unabwendbar und galt damit als Prophet der Reformation. Auch prangerte er die Lebenssituation der Bauern an, die zu den Bauernkriegen führen sollten. Die Prognosticatio war über lange Zeit sehr populär, wurde in viele Sprachen übersetzt und erlebte mehr als 50 Auflagen, die letzte 1923. Die meisten Ausgaben waren mit vielen Holzschnitten versehen. Die erste deutsche Ausgabe ließ Martin Luther drucken und verfasste selbst das Vorwort dazu. Damit nutzte er seinerseits die zwar bereits in Gegenschriften verspotteten Prophezeiungen Lichtenbergers, um auf das vorhergesagte Fortschreiten des klerikalen Niedergangs, ausgelöst durch den „kleinen Propheten“, hinzuweisen.

Die hier vorgestellten Exemplare der lateinischen und der deutschen Ausgabe entstammen berühmten Druckereien: Johannes Schoeffer aus Mainz, ist der Sohn von Peter Schoeffer, dem Drucker der Gutenberg-Bibel und des Mainzer Psalters. Der junge Schöffer übernahm die Offizin. Hans Lufft aus Wittenberg hat viele Texte von Martin Luther, darunter als Hauptwerk die „Biblia deutsch“ von 1534, gedruckt.

Das muss gemacht werden:

Einband:
Reinigen, altes sprödes Schafsleder am Rücken ablösen, neuen Rücken fertigen, gespaltene Pappen festigen und neu verkleben, Fehlstellen ergänzen

Buchblock:
Reinigen, Knicke partiell glätten, rückformen und stabilisieren, Risse schließen, Kanten stabilisieren, Fehlstellen ergänzen

Restaurierungskosten: 4.760 Euro (Gesamtpreis für beide Ausgaben)

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Fotos: Catrin Blachani und Simon Epp, USB Köln
Text: Caroline Dohmen-Richter, Christiane Hoffrath, USB Köln

Diese Buchpatenschaften sind bereits vergeben:

BEREITS VERGEBEN: „(...) hat er sich einen Eindruck verschafft von der ganzen Erde ...“ (Maximos Planudes) – gedruckt 1482

Ptolemaeus, Claudius: Cosmographia. Jacobus Angelus [Übers.]. Nicolaus Germanus [Hrsg.]. - Ulm: Lienhart Holle, 16. Juli 1482. Signatur: AD+BL521

Um 1400 tauchten die ersten Handschriften der rund tausend Jahre zuvor erstmals abgefassten Geographie des griechischen Gelehrten Ptolemäus aus Alexandria (ca. 100 – 160) in Italien auf, wurden dort mehrfach kopiert und erfuhren mit Aufkommen des Buchdrucks weitere Verbreitung.

Zehn Jahre zuvor wurde der Weltatlas erstmals außerhalb Italiens gedruckt. Diese Inkunabel ist das wichtigste Werk des Ulmer Druckers Lienhard Holl. Das großformatige Buch erschien am 16. Juli 1482. Der lateinische Text (69 Bl. von 133 Bl.) basiert auf der Übersetzung von Jacobus Angelus de Scarperia. Bedeutend sind die Karten, die der in Florenz wirkende Nicolaus Germanus, Humanist und Kartograph einbrachte. Ingesamt 27 sowie fünf neue „moderne“ Karten schuf er für den Codex Wolfeggianus Latinus 9818, die Vorlage für den berühmten Ulmer Druck waren. Erstmals wurden dafür die Karten in Holz geschnitten und anschließend koloriert.

Nahezu unglaublich ist, dass dieses Exemplar im Rheinland verblieb. Es weist neben zwei Urkundenfragmenten in den Einbanddeckeln den Besitzeintrag des Mönchs Basilius Keuter auf und stammt ursprünglich aus dem Kloster St. Vitus in Mönchengladbach. Im Zuge der Besetzung hatten die französischen Kommissare den Ptolemäus längst ins Auge gefasst. Der Foliant war die Nr. 6 auf der Liste „Catalogue des livres trouvés à l´abbaye de Gladbach“ vom 4. Januar 1795, die 25 zu beschlagnahmende Bücher auflistete. Auf welchem Weg der Band dann anstatt nach Paris nach Köln kam bzw. dort verblieb, ist unklar.

Das wurde gemacht:

Einband:
Reinigen, Deckel ergänzen, Altreparatur mit ungeeignetem Leder abnehmen und ersetzen, Altes Titelschild wieder aufbringen, Schließen wieder anbringen

Buchblock:
Reinigen, Partiell glätten, Fehlstellen ergänzen, Risse schließen, Nachheften loser Seiten, Bünde verlängern, Altrestaurierungen abnehmen

Restaurierungskosten: 2.629,90 Euro (Buchpatenschaft ist bereits vergeben)

BEREITS VERGEBEN: Ein Blick in die biblische Schatzkammer - gedruckt 1612

Vogel, Matthäus: Thesaurus theologicus es sola sacra scriptura depromptus. - Francofurti: Johann Berner, Matthäus Becker, 1612. Signatur: T2/1470

Der Verfasser Matthäus Vogel (1519- 1591) war evangelischer Theologe. Er studierte ab 1534 an der Universität Tübingen und wechselte 1536 an die Universität Wittenberg. Ab 1548 wirkte er als Diakon in Nürnberg, verlor seine Stellung dort aber, da er sich dem Augsburger Interim, einer Verordnung des Kaisers Karl V., widersetzte. Nach verschiedenen Anstellungen als Pastor übernahm er 1557 die Professur für Theologie an der erst 1544 gegründeten Albertus-Universität Königsberg, der dritten protestantische Universität im Reich.1563/64 wurde er zum Rektor gewählt. Sein Dienstherr Albrecht von Preußen beauftragte ihn mit der Neufassung der Kirchenordnung, die als Nachhall des Osiandrischen Streits bezüglich der preußischen Kirchenpolitik viel Kritik erlebt. Vogel verließ Preußen und ging nach Württemberg und wurde Abt des nunmehr evangelischen Klosters Alpirsbach.

Der „Thesaurus theologicus“ ist ein Auszug aus Teilen von Matthäus Vogels „Schatzkammer heiliger Göttlicher Schrift“, den einer seiner Söhne 1592 in Tübingen veröffentlichte. Eine weitere Ausgabe erschien 1612 in Frankfurt, zu der auch das hier gezeigte Exemplar zählt.

Das Buch stammt aus dem 1544 gegründeten Kölner Jesuitenkolleg. Der Orden erhielt das Buch 1645 aus einem Vermächtnis. Dass sich jesuitischer Buchbestand auch in der alten Kölner Stadtbibliothek befindet, spricht für die Zerstreuung von Sammlungen.
Zurzeit wird an der USB Köln die Kölner Jesuitenbibliothek rekonstruiert und virtuell zusammengeführt unter jesuitensammlung.ub.uni-koeln.de .
Der Einband besteht aus einem Pergamentblatt einer Liturgiehandschrift aus dem 14. Jahrhundert.

Das wurde gemacht:

Einband:
Reinigen,ƒ altes sprödes Schafsleder am Rücken ablösen,ƒ neuen Rücken fertigen,ƒ Gespaltene Pappen festigen und neu verkleben,ƒ Fehlstellen ergänzen

Buchblock:
Reinigen, Knicke partiell glätten, rückformen und stabilisieren, Risse schließen, Kanten stabilisieren, Fehlstellen ergänzen

Restaurierungskosten: 2.261 Euro (Buchpatenschaft ist bereits vergeben)

BEREITS VERGEBEN: Dr Zoch kütt - Historischer Festzug zur Domvollendung - gedruckt 1880

Avenarius, Tony: Historischer Festzug, veranstaltet bei der Feier der Vollendung des Kölner Domes am 16.10.1880. - Hamburg: Mühlmeister & Johler 1880. Signatur: RHFOL648#2

Anlässlich der Vollendung des Kölner Doms fand am 16. Oktober 1880 ein historischer Festzu zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) statt. Die Abfolge der Gruppen, jeweils dargestellt von Kölnern und Kölnerinnen in farbenfrohen historischen Kostümen, führte in drei Abteilungen von der Grundsteinlegung im Jahr 1248 bis zur Domvollendung.

Der Kölner Grafiker Tony Avenarius gestaltete eine Mappe mit 29 großformatigen Farblithografien mit Darstellungen des Festzugs, die noch im gleichen Jahr erschien. Vorbild war eine Mappe mit 46 Chromolithografien von Eduard Stadlin, die 1879 zur Dokumentation des Wiener Festzugs erschienen war. Für seine Arbeit standen Avenarius Erinnerungsfotos zahlreicher Zugteilnehmer zur Verfügung, die er als Vorlage für seine detailreichen und zunächst als Aquarelle angefertigten Darstellungen nutzte, die als Lithografien gedruckt und auf Papp-Passepartouts aufgezogen wurden.

Das gewichtige Werk erfreute sich allein wegen des hohen Wiedererkennungswertes bei den Zugteilnehmern großer Beliebtheit. Einige Teilnehmer werden in den Erklärungen zu den Tafeln sogar namentlich genannt. Für die Art der Darstellungen erhielt Avenarius aber auch Kritik. Man bemängelte zu Recht zahlreiche Fehler, z.B. falsche heraldische Wappen, Farben und Figuren, die jedoch, gemessen an der offensichtlichen Freude der Beteiligten am prächtigen Festzug sowie des daraus entstandenen Erinnerungsbuches, in den Hintergrund treten.

Die alte Kölner Stadtbibliothek erwarb zwei Exemplare dieses außergewöhnlichen Werkes, in dem sich die Fotografierten wiederfanden.

Das wurde gemacht:

Einband:
Reinigen, Buchdecke abnehmen, Fehlstellen im Gewebe ergänzen, neuen Rücken anfertigen

Buchblock:
Reinigen, Risse schließen, Ecken und Kanten ergänzen, neue Seidenpapiere einfügen, Bundenden wieder ankleben, Hülse fertigen, Innenspiegel wieder einkleben

Restaurierungskosten: 4.492,25 Euro (Buchpatenschaft ist bereits vergeben)

TEILWEISE VERGEBEN: Historische Kalender – Informationsquelle im Taschenformat

Konvolut unterschiedlicher Kalender, Signatur: KALE10-1791, KALE94-1795, KALE96-1817, KALE96-1854, KALE96-1856, KALE125-1733, KALE125-1801, KALE128-1677

Die USB verfügt über eine Reihe historischer Kalender unterschiedlichster Herkunft, die in der Stadtbibliothek unter der Signatur KALE zusammengestellt worden waren. Die ältesten Exemplare stammen wahrscheinlich von Ferdinand Franz Wallraf. Der „Almanach Royal“ von 1773 und der alte Kölner Kalender von 1801 stammen aus der Bibliothek von Gustav von Mevissen, auf den wir noch zurückkommen werden.

Bei den hier gezeigten Exemplaren handelt es sich um offizielle Kalender. Sie sind viel mehr als reine Datumslieferanten und Feiertagsanzeiger, denn als eine Art Handbücher enthalten sie überdies wichtige Informationen, z.B. über Personen und Einrichtungen. Der zweisprachige „Calender für das dritte Jahr der französischen (sic!) Republik“, gedruckt 1794 in Köln, führt u.a. den Vergleich mit dem deutschen Reichskalender auf. Aus der Zeit davor stammt „des Hl. Römischen Reichs Freyer Statt Cöllen Sack-Calender“ von 1773; 1801 gibt die Freie [!] Stadt Köln einen bescheidenen schmalen Kalender heraus, ab 1817 wird es dann der „Kalender des Regierungs-Bezirks und der Stadt Köln“, zu denen auch die Exemplare der Ausgaben von 1854 und 1856 gehören.

Die hier gezeigten restaurierungsbedürftigen Exemplare sind, bis auf den o.g. königlichen Kalender im beschädigten Ganzledereinband, in zeitgenössische Halbleder- oder Papiereinbände eingebunden. Man sieht den Taschenkalendern („Sack-Calender“) den häufigen Zugriff im damaligen Jahresverlauf deutlich an, desgleichen die jahrelange Benutzung als wichtige Informationsquelle für die historische Forschung. Die Restaurierung schafft hier (auch) die Voraussetzung für die Digitalisierung der Bände.

Das muss gemacht werden:

Einband:
Reinigen, neuen Rücken aus Leder oder Papier fertigen, Leder bzw. Bezugspapiere festigen bzw. Fehlstellen ergänzen, Ecken und Kanten erneuern bzw. stabilisieren

Buchblock:
Reinigen, Nachheften, Glätten, Knicke rückformen, Risse schließen, Fehlstellen ergänzen

Restaurierungskosten: 13.953 Euro (Gesamtpreis für alle 8 Bände)

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