Juristische Disputation - gedruckt 1490

Projektnummer: 2022/0025

Alexander <de Imola>: De adoptionibus. [Mailand]: Leonarduz pachel, 1490. Signatur: MEVI2-Ink.

Der Autor Alexander de Imola (Alessandro Tartagni, 1424-1477) war ab 1451 Dozent für Zivilrecht in Bologna, Ferrara, Padua und Pavia. Der aus Ingolstadt stammende Drucker Leonard Pachel drucke dessen Werk 1490 in Mailand. Der Band stammt aus der Trierer Benediktinerabtei Sankt Matthias. An der Stelle der späteren Benediktinerabtei entstand in Trier bereits im 5. Jahrhundert ein christliches Zentrum, aus dieser Zeit findet sich eine überlieferte Bauinschrift, die von einer Altarweihe durch Bischof Cyrillus zu Ehren der Heiligen Eucharius und Valerius berichtet.

Anfangs ist Eucharius als Patron der Kirche genannt, erst im 12. Jahrhundert kommt der Apostel Matthias als weiterer Patron hinzu. Um 977 übernahm die bestehende Gemeinschaft die Benediktregel. Die Abtei bestand bis zu ihrer endgültigen Aufhebung 1802. Der Einband wurde in der Buchbinderwerkstatt der Abtei, deren Wirkungszeit von 1480-1520 belegt ist, angefertigt. Die Einbandforscherin Ilse Schunke teilt zu dieser Werkstatt mit: „Die Buchbinderwerkstatt von St. Matthias ist durch einen reichen Vorrat an Stempeln und eine große Produktion von Einbänden charakterisiert.“ 88 Einzelstempel werden der Werkstatt zugeordnet, in der Einbanddatenbank sind 23 Bände dokumentiert. Auffällig viele Stempel zeigen schön ausgearbeitete figürliche oder bildliche Darstellungen (Christus, Maria, mehrere Heiligendarstellungen, die Evangelisten, Tiere…) Die Hauptwirkungszeit fand unter dem aus Utrecht stammenden Abt Anton Lewen (Antonius Loeuenius, Abt von 1484-1519) statt, der sich besonders für die künstlerische Ausgestaltung der Kirche einsetzte.

Aus dem Besitz des Klosters gelangte das Buch in die Trierer Stadtbibliothek, die den Text jedoch mehrfach besaß und das eben beschriebene Exemplar 1852 zum Verkauf anbot. Aus diesem Bestand erwarb es der Großunternehmer und Büchersammler Gustav von Mevissen (1815-1899), der es wiederum der Stadt Köln vermachte.

Das muss gemacht werden:

Einband:
reinigen, historische Titelschilder festigen, Fehlstellen im Holz ergänzen, Fehlstellen im Leder ergänzen, Schließenbänder rekonstruieren

Buchblock:
reinigen, deformierte Blattpartien rückformen und glätten, geschwächte Bereiche stabilisieren, Risse schließen, Hinterklebung stabilisieren, Kapitale sichern

 

Restaurierungskosten: 3.549,18 Euro inkl. MwSt.
Projektnummer: 2022/0025

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Entdeckungen in Afrika - gedruckt 1864

Projektnummer: 2022/0015

Park, Mungo: The life and travels of Mungo Park. - Edinburgh: William P. Nimmo Ballantyne and Company, Printers 1864. Signatur: GG1/1720

Der Afrikaforscher und schottische Arzt Mungo Park (1771-1806), der im Auftrag der African Association am 22. Mai 1795 mit der Endeavour den Hafen von Portsmouth verlässt, erreicht 1796 als einer der ersten Europäer den Lauf des Niger. Es gelang ihm zu beweisen, dass die beiden großen Ströme Niger und Nil nicht zusammenhängen. Sein Reisebericht „Travels in the Interior of Africa“ gilt noch heute als Klassiker. Obwohl er sich bei seiner ersten Reise nur knapp mit der Hilfe eines Einheimischen aus der Gefangenschaft von Sklavenhändlern befreien kann und Fieber und Entkräftung übersteht, befuhr er in einer zweiten – von der britischen Regierung finanzierten- Expedition 1805 den Lauf des Niger zwischen Bamako und Bussa im Nordwesten Nigerias. 1806 kamen er und sein Expeditionsteam dort auf unbekannte Weise um, seine detailreichen Aufzeichnungen aber gelangten wieder in seine Heimat. 1830 entdeckte eine Expedition der englischen Brüder Richard und John Lander den Verlauf des Niger bis zur Mündung. Die Quelle des Niger wurde erst 1879 von dem Franzosen Marius Moustier und dem Schweizer Josua Zweifel entdeckt.

Das Buch liegt in einem dunkelroten Verlagseinband mit Vergoldung vor. William P. Nimmo, Verleger in Edinburgh und Glasgow, bot seine Bücher z. T. in verschiedenen Ausführungen zu unterschiedlichen Preisen an. Die „eleganten“ Gewebeeinbände waren immer mit aufwändigen und dekorativen Goldprägungen und Goldschnitt versehen, die etwas teurere Variante konnte man in Maroquinleder erwerben. Bei welchen Buchbindern er die Einbände seiner Verlagserzeugnisse einbinden ließ, ist nicht bekannt.

Das muss gemacht werden:

Einband:
Rücken mit passendem Gewebe unterlegen, Alten Rücken wieder aufbringen, Fälze erneuern, Ecken stabilisieren

Buchblock:
Reinigen, Instandsetzen, Hülse fertigen, Kapitale erneuern, Vorderes Vorsatz ergänzen

Reparaturkosten: 56 Euro
Projektnummer: 2022/0015

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Führer zu den Kölner Heiligenschreinen - gedruckt 1607

Projektnummer: 2022/0032

Winheim, Erhardus: Sacrarivm Agrippinae. - Coloniae: Bernhardi Gualteri 1607. Signatur: RHT1086#3

Erhardus Winheim (Erhard von Winheim) war Kartäusermönch in der Kartause Engelgarten in Würzburg. In seinem 1607 erschienenen Buch „Sacrarium Agrippinae“ beschrieb er die Heiligtümer und Reliquien der Stadt Köln. Selbstredend widmete er der Kölner Kartause St. Barbara darin eine besonders ausführliche Beschreibung. 1737 veröffentlichte der Kölner Drucker Steinhaus einen Nachdruck. Ab 1771 erfolgten Ausgaben, die Winheims vornehmlich als Pilgerbuch genutztes Werk mit den Beschreibungen Kölns von Aegidius Gelenius zusammenfasste. Zuletzt erschien 1990 davon eine deutsche Ausgabe. Die Originalausgabe scheint in vielen Bücherschränken Kölns vorhanden gewesen zu sein - so besitzt die USB weitere Exemplare, u.a. eines aus der Bibliothek von Ferdinand Franz Wallraf.

Das Frontispiz-Kupfer der hier vorliegenden Erstausgabe zeigt u.a. eine sehr dekorative Gesamtansicht von Köln. Oft sind es kleine Details, die ein Exemplar interessant und einzigartig machen. Bei dem hier vorliegenden Exemplar befinden sich auf den Vorsätzen Bleistiftzeichnungen. Auf dem vorderen Spiegel erkennt man den Heiligen Gereon, auf dem hinteren Spiegel die romanische Kirche St. Gereon. Ob Gustav von Mevissen, der in der Nähe der Kirche wohnte, diese Zeichnungen in jungen Jahren selbst angefertigt hat, bleibt jedoch Spekulation.

Das muss gemacht werden:

Einband:
Reinigen, Risse schließen, Fehlstellen ergänzen, Einschläge neu verkleben, gelöste Bereiche sichern

Buchblock:
Reinigen, Knicke glätten, rückformen und stabilisieren, Bünde verlängern, ggf. nachheften, Risse schließen, Fehlstellen ergänzen, gelöstes unteres Kapital sichern

Restaurierungskosten: 2.618 Euro
Projektnummer: 2022/0032

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Kryptographie des „Erzmagiers“ – gedruckt 1791

Projektnummer: 2022/0008

Trithemius, Johannes: Polygraphia. - Coloniae: Johann Birckmann & Dietrich Baum, 1571. Signatur: A5/7406

Johannes Trithemius (1462-1516) war Abt der Benediktinerabtei Sponheim und ab 1506 Abt des Schottenklosters Würzburg.

Bei der „Polygraphia“ handelt es sich um das erste kryptografische Werk und die älteste Quelle des Hexenalphabets. Der bereits zu Lebzeiten berühmte Benediktiner stellte darin mehrere Verschlüsselungsverfahren für Texte vor. Bereits zu Lebzeiten stießen seine okkulten Studien durchaus auf Kritik. In seinem unvollendeten Werk „Steganographia“ hatte Trithemius sich erstmals mit der Verschlüsselung von Texten befasst. Die „Polygraphia“ wird als Fortsetzung und Vollendung der dort vorgenommenen Ausführungen angesehen. Der Autor selbst beschrieb, dass die Geheimschrift sündhafte Menschen zu schlechten Taten verleitet und entsprechend keinem weiten Kreis zugänglich sein solle. Dessen ungeachtet wurde sein Werk bereits zwei Jahre nach seinem Tod gedruckt. Kritisch geprüft von Konrad Peutinger erschien das Buch erstmals 1518. Versehen mit kaiserlicher Erlaubnis und herausgegeben vom Verleger Johann Haselberg wurde es von Adam Petri in Basel gedruckt.

1564 erschien eine Kölner Ausgabe, die Johann Birckmann zusammen mit Werner Richwin druckte. Für die hier vorgestellte Neuausgabe von 1571 setzte Birckmann den Text neu und überarbeitete die Graphie.

Das muss gemacht werden:

Einband:
Reinigen, fehlende obere Kanten rekonstruieren, Risse schließen, Fehlstellen im Pergament ergänzen, gelöste Einschläge neu verkleben, gelöste Bereiche sichern

Buchblock:
Reinigen, partiell glätten, Knicke zurückformen und stabilisieren, Fehlstellen ergänzen, Bünde hinten verlängern, Risse schließen, Fehlstellen ergänzen, gelöstes Kapital neu verkleben

Restaurierungskosten: 2.618 Euro
Projektnummer: 2022/0008

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Fotos: Catrin Blachani und Simon Epp, USB Köln
Text: Caroline Dohmen-Richter, Christiane Hoffrath, USB Köln

Diese Buchpatenschaften sind bereits vergeben:

BEREITS VERGEBEN: Humanistische Drucke aus Paris im Kölner Einband – gedruckt 1520

Projektnummer: 2022/0026

Plutarchus; Nepos, Cornelius: Illustrium virorum. - [Paris:] Joducus Badius Ascensius 1520, Mela, Pomponius: De chorograpia. De orbis situ. - Vadianus, Joachim [Komm.]. - Paris: Christian Wechel 1530. Signatur: MEVI55

Der Band enthält zwei Werke aus den Jahren 1520 und 1530, die zu den typischen wiederentdeckten Schriften des Humanismus zählen. Das erste Buch enthält Biographien des Griechen Plutarch (Ploútarchos, 45-120), der in seinen berühmten Vitenpaaren bedeutende Römer und Griechen miteinander verglich, so z.B. Julius Cäsar und Alexander der Große oder Demosthenes und Cicero. Dabei griff er auf die Schriften des Römers Cornelius Nepos zurück, der von ca. 100 bis 28 v. Chr. gelebt hat. Beeindruckend ist das prächtig gestaltete Titelblatt, in dessen Mitte Jodocus Badius, genannt Ascensius, bedeutender Buchdrucker in Frankreich, selbstbewusst sein Firmenzeichen (Druckersignet) platziert hat.

Beigebunden ist die „Chorographia“ des Pomponius Mela, das älteste geographische Werk in lateinischer Sprache, hier kommentiert vom Schweizer Humanisten Joachim Vadianus (1484-1551).

Bedeutend ist der Einband des Exemplars, denn hinter den eingeprägten Initialen „I.W.“ verbirgt sich der Kölner Buchbinder und Buchhändler (Buchführer) Johann Willich der Ältere, der u.a. für den Herzog von Jülich-Kleve, den Kölner Erzbischof und die Stadt Köln Einbände hergestellt hat und für seine besonders feingeschnittenen Platten und Rollen bekannt war. Eine dieser Rollen (Vase mit Gehängen, Engelskopf, Blattwerk) ziert den Einband.

Dieser besondere Band wurde aus der Gruppe S (Schriftsteller) des Stadtbibliothekbestands entnommen und zu den Büchern der Mevissen Bibliothek auf die alte Signatur " MEVI55“ zurückgestellt.

Das wurde gemacht:

Einband:
Reinigen, Fehlstellen im Holz ergänzen, Fehlstellen im Leder ergänzen, neuen Rücken in Leder fertigen, alte Rückenteile wieder aufbringen

Buchblock:
Reinigen, deformierte Blattpartien rückformen und glätten, geschwächte Blattbereiche stabilisieren, Risse schließen, Fehlstellen ergänzen, gelockerte Heftung stabilisieren, Kapitale sichern

Restaurierungskosten: 1.953,09 Euro (Buchpatenschaft ist bereits vergeben)
Projektnummer: 2022/0026

BEREITS VERGEBEN: Plädoyer für Frauenrechte - gedruckt 1895

Higginson, Thomas Wentworth: Die Frauenfrage und der gesunde Menschenverstand. Common sense about women <dt.>. - 2. Aufl.. - Leipzig: Schupp 1895. Signatur: V79/266+2

Ein Buch aus dem Besitz von Mathilde von Mevissen, das ein bezeichnendes Licht auf ihre Interessen wirft.

Thomas Wentworth Higginson (1823- 1911) war amerikanischer Schriftsteller und Dichter, Angehöriger der Religionsgemeinschaft der Unitarier und Gegner der Sklaverei. In seinem Buch „Common sense about women“, das erstmals 1881 erschien und mehrfach neu aufgelegt wurde, legte er seine Sicht auf die Bildung, das Wahlrecht und die Beschäftigung von Frauen dar und plädierte für die Gleichbehandlung der Geschlechter. Dazu veröffentlichte Higginson mehrere Schriften, in denen er für die Rechte von Frauen stritt. Darin verglich er die fehlenden Rechte der Frauen mit den fehlenden Rechten der Sklaven. Der Bürgerrechtler und Feminist unterstützte die Gründung der American Woman Suffrage Association und agierte ab 1877 als Herausgeber des „Women´s Journal“, der wichtigsten Zeitschrift der damaligen amerikanischen Frauenrechtsbewegung.

Die deutsche Übersetzung des Buches zur „Frauenfrage und dem gesunden Menschenverstand“ stammt von Eugenie Jacobi (geb. 1852), einer Königsberger Schriftstellerin, die Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen anfertigte und für pädagogische Zeitschriften schrieb. Auch die in Leipzig erschienene Ausgabe verkaufte sich offensichtlich gut, denn das Exemplar das Mathilde von Mevissen mit ihrem Namenszug und ihrem schönen Exlibris versah, gehörte bereits zur zweiten Auflage aus dem Jahr 1895

Das wurde gemacht:

Einband:
Rücken mit Gewebe unterlegen, alten Rücken wieder aufbringen, Fälze erneuern

Buchblock:
Reinigen, Instandsetzen, mit Hülse versehen und Kapitale erneuern

Restaurierungskosten: 38 Euro (Buchpatenschaft ist bereits vergeben)

BEREITS VERGEBEN: Das pittoreske Italien in 100 Stichen – gedruckt 1840

Frommel, Carl Ludwig: Pittoreskes Italien. - Text für Ober-Italien von Wilhelm von Lüdemann, "Unter-Italien" von Karl Witte. - Leipzig: Christian Ernst Kollmann, 1840. Signatur: GG8/383

An diesem Reiseführer haben drei Italienkenner mitgewirkt. Der berühmteste unter ihnen war Maler, Kupfer- und Stahlstecher Carl Ludwig Frommel (1789-1863), was das selbstbewusst gestaltete Titelblatt „Carl Frommels pittoreskes Italien“ deutlich belegt.

Frommel war ab 1829 Generaldirektor der Großherzoglichen Gemäldegalerie in Karlsruhe. Im Juli 1812 erhielt er ein Reisestipendium und weilte bis April 1817 in Italien. Zurück in Karlsruhe wurde er Hofmaler und zum Professor berufen. 1824 eröffnete er das erste deutsche Studio für Stahlstecher. In der Staatsgalerie reinigte und restaurierte er weitgehend eigenständig den dortigen Gemäldebestand. Altersbedingt schied er 1858 aus dem Amt. Er starb 1863 in Ispringen.

Georg Wilhelm von Lüdemann (1796-1863) war zunächst Verwaltungsbeamter, später Reiseschriftsteller und ab 1835 Polizeidirektor in Aachen. Auf Anraten seines Arztes unternahm er ab 1820 ausgedehnte Reisen nach Italien. Er schrieb Reiseberichte, Novellen und Übersetzungen italienischer Literatur unter zwei verschiedenen Pseudonymen. Im vorliegenden Werk beschrieb er Oberitalien.

Johann Heinrich Friedrich Karl Witte (1800-1883), einem studierten Juristen, ermöglichte König Friedrich Wilhelm III. für mehrere Jahre Reisen nach Italien, wo er sich der DanteForschung widmete. 1878 gründete er die Deutsche Dante-Gesellschaft. Witte schrieb den Teil über Süditalien („Unteritalien“).

Mit 100 Stahlstichtafeln, die in Frommels Atelier angefertigt wurden, ist der Band reich bebildert. Ursprünglich war der Buchrücken mit einer Goldverzierung geschmückt, die den Titel einrahmte. Leider ging er im Laufe der Zeit verloren. Womöglich war es ein vielgelesenes Buch in Mathilde von Mevissens Bibliothek.

Das wurde gemacht:

Einband:
Rücken mit passendem Leder ergänzen, Fälze erneuern

Buchblock:
Reinigen, Instandsetzen, mit Hülse und neuem Kapital versehen

Restaurierungskosten: 56 Euro (Buchpatenschaft ist bereits vergeben)

BEREITS VERGEBEN: Melanie von Mevissens Studentenlieder - gedruckt 1870

Commersbuch für den deutschen Studenten. - 16. Aufl. . - Leipzig: B. G. Teubner 1870. Signatur: SD3/5955+16

Erneut ein Commersbuch und somit die Art von Liedersammlung, wie wir sie bereits beim Exemplar aus der Bibliothek von Hermann Heinrich Becker auf Seite 59 kennengelernt haben.

Das hier vorliegende studentische „Commers-Buch für den deutschen Studenten“ aus dem Jahr 1870 fasst auf über 550 Seiten das Liedgut ganzer Generationen zusammen. Es handelt sich um „(…) ein Werk, aus eigener Lust erwachsen, zu eigener Freude groß gepflegt, und nunmehr aus purem Drang nach Menschenbeglückung dazu bestimmt, dem größeren Publikum in die Hände gegeben zu werden.“ So wird es im ersten von vier Vorworten von einem nicht genannten Autor beschrieben. Das beglückende Werk fand tatsächlich reißenden Absatz, denn es erlebte etliche Auflagen. Die erste Ausgabe kam 1855 noch bei Baensch in Magdeburg heraus, danach erschienen alle weiteren Auflagen im renommierten Verlag Teubner in Leipzig. Die 27. und letzte ergänzte Auflage erschien 1892. Das Werk ist in vielen Bibliotheken vorhanden und antiquarisch immer noch erhältlich. Manche Auflagen sind jedoch selten. So ist die hier vorliegende 16. Auflage nur noch im Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Heidelberg nachgewiesen.

Bemerkenswert am MevissenExemplar in seinem Originaleinband ist überdies, dass es sowohl den Besitznachweis des Vaters als auch das Exlibris von Melanie von Mevissen enthält. Offensichtlich hat die jüngere Tochter dieses Buch nicht nur aus der väterlichen Bibliothek in ihren Bestand übernommen, sondern dies auch bewusst und deutlich kenntlich gemacht, denn zusätzlich zu ihrem Exlibris stempelte sie unter dem Besitzstempel von Gustav von Mevissen auch noch ihren Namenszug ein.

Leider wurde das Buch in den frühen 1980er Jahren mit einem USB-Barcodeetikett versehen. Dieses werden wir im Zuge der Restaurierung entfernen.

Das wurde gemacht:

Einband:
Rücken mit Gewebe unterlegen, alten Rücken wieder aufbringen, Fälze erneuern

Buchblock:
Reinigen, Instandsetzen, mit Hülse versehen und Kapitale erneuern

Restaurierungskosten: 38 Euro (Buchpatenschaft ist bereits vergeben)

BEREITS VERGEBEN: "… von der Kinderstube bis zum eignen Heerd" - Ratschläge für Mädchen und Frauen - gedruckt 1873

Polko, Elise: Unsere Pilgerfahrt von der Kinderstube bis zum eignen Heerd. - 4. Aufl. . - Leipzig: Amelang 1873, Signatur: V79/269+4

Bevor Elise Polko (1823-1899), älteste Tochter des Pädagogen Karl Christoph Vogel und Schwester des bekannten Afrikaforschers Eduard Vogel, als Schriftstellerin und Dichterin arbeitete, blickte sie bereits auf eine bescheidene Karriere als Sängerin zurück. Auf einer Reise nach Leipzig lernte sie 1848 ihren Ehemann, den Ingenieur Eduard Polko, den späteren Direktor der Köln-Mindener Eisenbahn, kennen und widmete sich fortan nur noch dem Schreiben. Sie verfasste zahlreiche Romane, Kinder und Jugendbücher.

Ihr damals sehr populäres kleines Buch von der „Pilgerfahrt“ der Frauen, das hier in der 4. Auflage von 1873 vorliegt, sollte den Leserinnen ein Ratgeber für die verschiedenen Lebensabschnitte sein: „Von dem kleinen Mädchen in der Kinderstube; Der Flüchtling aus der Kinder- und Schulstube; Eintritt in die Welt! Das junge Mädchen unserer Tage; Die Braut; Die Frau; Die Mutter“, so lauten die Kapitelüberschriften. Dabei wurde der Verfasserin attestiert, dass sie „(…) reinsten Sinn für die naturgemäße Bestimmung ihres Geschlechts zu bewahren gewusst [habe], weit entfernt von der modeartig herrschenden Emancipationssucht“, so zitiert in der Deutschen Biographie.

Der Verlagseinband stellt das zeitgenössische Familienidyll dar: Die Mutter mit dem Baby auf dem Schoß, eingerahmt von Tochter und Sohn, letzterer ausstaffiert mit Säbel und Steckenpferd. Alle Zeichnungen des Buches fertigte der Illustrator und Porträtmaler Friedrich Paul Thumann (1834-1908) an.

Melanie von Mevissen hat das Buch offenbar im Alter von Zwanzig Jahren bekommen. Jedenfalls kennzeichnete sie ihren Besitz und schrieb das Datum „15.12.1873“ sowie ihren Namen hinein. Zusätzlich klebte sie ihr Exlibris auf das Vorsatzblatt.

Antiquarisch kann man verschiedene Ausgaben des Werkes für wenig Geld erstehen und es bedarf lediglich eines ähnlich geringen finanziellen Aufwands, um dieses schöne Büchlein wieder vollständig instand setzen zu können.

Das wurde gemacht:

Einband:
Fälze erneuern

Buchblock:
Reinigen, Instandsetzen, mit Hülse versehen und Kapitale erneuern

Restaurierungskosten: 21 Euro (Buchpatenschaft ist bereits vergeben)