Aktuelles, Wissenswertes und Geschichten aus über 80 Sammlungsportalen. Hier berichten wir regelmäßig aus unseren Sammlungen.

Besitzstempel der Studentenbücherei

"ALTE KÖLNER STUDENTENBÜCHEREI" - was liest, interessiert und bewegt die Kölner Studierenden in der Zwischenkriegszeit von 1920 - 1940 ?

Das lässt sich gut an an dem Bestand der alten Kölner Studentenbücherei erkennen, gegründet im Sommersemester 1920.

Man berücksichtigte bei der Bestandsauswahl die Wünsche der Nutzerinnen und Nutzer.
Daher enthält die Sammlung die ganze literarische Vielfalt der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und beinhaltet Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die dem Nationalsozialismus nahe standen oder von ihm verfemt wurden. Der Bestand spiegelt wider, welche Themen das damalige studentische Leben in Köln begleiteten.

Bisher haben wir über 250 Bücher aus der alten Studentenbücherei in unserem Bestand gefunden und der neuen Sammlung zugeordnet.

Zum Sammlungsportal KÖLNER STUDENTENBÜCHEREI >>

17. November 2022

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8. November 1942

Vor 80 Jahren starb Helene Richter im Konzentrationslager Theresienstadt

Helene Richter war eine österreichische Anglistin und Theaterwissenschaftlerin. Die Privatbibliothek, die sie gemeinsam mit ihrer Schwester Elise aufbaute, gelangte als Notverkauf 1942 in die USB Köln und zählt heute zum NS-verfolgungsbedingten Kulturgut. Im Rahmen der NS-Provenienzforschung wurde die Bibliothek 2005 rekonstruiert und im Zuge der Restitution kam es 2014 zu einer gütlichen Einigung mit den in England lebenden Erben. Demnach verbleiben die Bücher in der USB Köln und stehen somit weiterhin der Wissenschaft zur Verfügung. Dr. Christiane Hoffrath hat 2009 die Geschichte dieser Bibliothek in ihrer Veröffentlichung „Bücherspuren“ sorgfältig dokumentiert und aufgearbeitet.

Ein besonderer Fund in der Bibliothek ist ein Typoskript von Helene Richter, das 2011 in unserer Elektronischen Schriftenreihe veröffentlicht wurde: "Die drei großen Tragödinnen des Burgtheaters im 19. Jahrhundert.", PDF (79MB)

Die Bibliothek von Elise und Helene Richter gehörte zu den ersten Sammlungen in unserem Bestand, für die ein eigenes Sammlungsportal entstand: "Virtuelle Bibliothek Elise und Helene Richter".

Helene Richter: Autodidaktin - Anglistin - Theaterwissenschaftlerin

Wie ihre jüngere Schwester Elise, erhielt Helene Privatunterricht. Als Autodidaktin widmete sie sich der Anglistik und veröffentlichte ab 1895 Übersetzungen und Sachbücher. Sie erhielt die Ehrendoktorwürde der Universitäten Heidelberg und Erlangen und ihre Heimatstadt ernannte sie zum "Bürger ehrenhalber der Stadt Wien".

Im März 1938 entzog die Universität Wien ihrer Schwester Elise Richter, die 1904 habilitiert hatte, die Lehrerlaubnis und sie erhielt Bibliotheksverbot. In der Folgezeit veräußerten Elise und Helene Richter aus finanziellen Gründen ihre Bibliothek, die größtenteils an die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln und die Österreichische Nationalbibliothek verkauft wurde. Im März 1942 mussten sie in ein jüdisches Altersheim umziehen. Von dort wurden sie im Oktober 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo Helene am 8. November 1942 starb.

8. November 2022

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    Aus: Paré, Ambroise: Een suyverlijc tractaet, om int corte te handelen enn te genesen alderhande wonden enn quetsuren gedaen met haeckbussenIn, Antwerpen: 1556
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Fundstücke aus dem Magazin:

Ambroise Paré - Vater der französischen Chirurgie

Auf den ersten Blick schaurigschön passend zu Halloween, stellt sich beim genauen Hinsehen heraus, dass wir einen Medizinklassiker in den Händen halten: Eine niederländische Ausgabe von Ambroise Parés Abhandlung über die Behandlung von Verwundungen durch Feuerwaffen und Schießpulver.

Ambroise Paré (* um 1510, † 1590), war ein französischer Chirurg und gilt bis heute als Wegbereiter der modernen Chirurgie und Begründer der Gesichtsprothetik. Nach einer Ausbildung zum Bader arbeitete er viele Jahre als Militärchirurg auf den Schlachtfeldern Europas und behandelte dort äußerst erfolgreich Soldaten, Feldherren und sogar Könige. Er entwickelte für Verletzungen, die durch die neuartigen Feuerwaffen entstanden, Behandlungsmethoden, die Soldaten höhere Überlebenschancen boten. Als Erster beschrieb er den Wundbrand und entwarf fortschrittliche Prothesen. Aber auch in anderen medizinischen Fachbereichen, wie z.B. der Geburtshilfe, leistete er bedeutende Fortschritte.

Trotz der fehlenden akademischen Ausbildung wurde Ambroise Paré 1554 als maître en chirurgie in das Collège de Saint Côme, das chirurgische Kollegium der Pariser medizinischen Fakultät, aufgenommen. Aufgrund seiner großen praktischen und wissenschaftlichen Verdienste um die Chirurgie wurde er als „Vater der französischen Chirurgie“ bezeichnet.

1545 veröffentlichte Paré seine Abhandlung La méthode de traicter les playes faictes par hacquebutes et aultres bastons à feu, die als Meilenstein der Chirurgiegeschichte gilt. Veröffentlichungen, für den praktischen Gebrauch geschrieben, waren häufig dem Verschleiß unterworfen, so dass heute nur noch wenige Exemplare existieren. Und auch an der vorliegenden Ausgabe, einer niederländischen Übersetzung aus dem Jahr 1556, kann man deutliche Gebrauchsspuren erkennen. Sie wurde in Antwerpen gedruckt und gehört in die Sammlung Gymnasialbibliothek. Signatur: GBIX141+C

 

31. Oktober 2022

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1. Oktober 1901

Erster Bericht über den Fund der Waldseemüllerkarte von 1507 erscheint in der Kölnischen Volkszeitung

1901 fand der Jesuitenpater Josef Fischer in der Schlossbibliothek Wolfegg in der Nähe von Ravensburg das wahrscheinlich einzige erhaltene Exemlar der Weltkarte von Martin Waldseemüller aus dem Jahr 1507. Auf dieser Karte war erstmals der Name »America« verzeichnet. Der Fund ging damals durch die gesamte Weltpresse. Josef Fischer selbst gab 1903 gemeinsam mit Prof. Franz von Wieser den Band "Die älteste Karte mit dem Namen Amerika aus dem Jahre 1507, und die Carta marina aus dem Jahre 1516" heraus. Dass der allererste Bericht über den Sensationsfund in der Kölnischen Volkzeitung erschienen sein soll, hat der österreichische Wissenschaftler Dr. Philipp Schöbi herausgefunden und daraufhin Kontakt zu uns aufgenommen. Und tatsächlich: Durch die autoptische Recherche, entdeckten wir den kleinen Artikel:  Am Dienstag, dem 1. Oktober 1901, auf dem dritten Blatt in der Abendausgabe, S. 1, rechts unten in der Rubrik "Welt und Wissen". Somit konnten wir Herrn Schöbis Annahme bestätigen, sein Forschungsergebnis durch einen Scan der Zeitungsseite ergänzen und in das Licht der Öffentlichkeit stellen.
Signatur: ZTG14+A-1901(11.7/8.11)

Über die Waldseemüllerkarte oder Wie Amerika zu seinem Namen kam

Martin Waldseemüllers Weltkarte von 1507 war die erste Karte, die im Westen einen neuen Kontinent darstellte: AMERICA. Die Karte dokumentierte die neuesten geografischen Erkenntnisse, die sich aus den portugiesischen und spanischen Entdeckungen des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts ergaben. Der Kartograf Waldseemüller stützte sich auf Daten, die Amerigo Vespucci während seiner Reisen in die Neue Welt 1501-02 gesammelt hatte. Als Anerkennung für Vespuccis Erkenntnis, dass ein neuer Kontinent entdeckt worden war, taufte ihn Waldseemüller »America«. Diese Karte ist das einzige bekannte erhaltene Exemplar der ersten Ausgabe, von der vermutlich 1.000 gedruckt wurden. Mit der Darstellung der neu entdeckten amerikanischen Landmaße veränderte sich das europäische Verständnis von einer Welt, das bis dahin nur Europa, Asien und Afrika kannte.
(Quelle: Library of Congress, Digitale Weltbibliothek)

2001 wurde die Waldseemüllerkarte an die Library of Congress verkauft. Seit 2005 gehört sie zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.
(Quelle: Wikipedia)

01. Oktober 2022

"WEGWEISER ODER DIE MACHT DER MEHRDEUTIGKEIT"

Ausstellung in der Kunst-Station Sankt Peter Köln, 02.09.-02.10.2022

Im September 2022 sind wir gemeinsam mit dem Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds zu Gast in der Kunst-Station Sankt Peter Köln.

Die Ausstellung "Wegweiser" geht aus der Kölner Jesuitensammlung hervor und möchte die Dinge des zweiten Blicks präsentieren: Fünf Stationen erzählen Geschichten, die Bücher einer Schulbibliothek erst dann preisgeben, wenn man sie – vielleicht ganz zufällig – aufschlägt.

Auf unserer Website gibt es im Kulturprogramm auch eine Online-Ausstellung zum "Wegweiser" mit interessanten Hintergrundinformationen zu den Exponaten >>

2. September 2022

"Bücher auf Reisen" im Sommer 2022

Einige unserer Bücherschätze verbringen diesen Sommer in Münster, Düsseldorf, Arnsberg und Essen. Und ab sofort können Sie auch im Foyer sehen, wohin die Bücherreisen gehen. Ein QR-Code führt Sie zu den Ausstellungsbeschreibungen.

Ein bisschen stolz sind wir schon darauf, dass unser Bestand so gefragt ist - und unsere Bücher freuen sich auch, mal was anderes zu sehen ...

Zu "Bücher auf Reisen - Leihgaben für Museen" >>

31. Mai 2022

 

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8. März 2022 - Weltfrauentag

Mathilde von Mevissen - Frauenrechtlerin und Mitbegründerin des Kölner Frauenbildungsvereins

Mathilde von Mevissen (1848-1924) war die zweitälteste der fünf Töchter von Gustav von Mevissen (Unternehmer und Politiker im Rheinland, * 1815, † 1899). Wie im 19. Jahrhundert üblich, erhielten die Mädchen keine fundierte Ausbildung. Der Besuch einer Schule wurde durch Hauslehrer ersetzt. "In jeglichem Wissen bin ich Homöopath - habe stets nur die allerkleinsten Dosen genommen"¹, schrieb sie Jahre später. Sie fand Mittel und Wege, sich heimlich Bücher aus der reichen, aber den Kindern verbotenen Bibliothek des Vaters zu beschaffen, um ihren Wissensdurst zu stillen. Als Erwachsene setzte sie sich sehr für die Rechte der Frauen (Frauenwahlrecht) und insbesondere für die Ausbildung und Förderung von Mädchen ein. Sie war Mitbegründerin des 1894 gegründeten Kölner Frauenfortbildungsvereins. Dass 1903 in Köln ein Mädchengymnasium - das erste in Preußen - eröffnet wurde, war ihrem Einsatz und ihrer finanziellen Förderung zu verdanken. Sie erlebte es noch, dass diese Schule 1923 nach ihr benannt wurde. Als verdiente Person der Stadtgeschichte ehrt die Stadt Köln das Andenken an Mathilde von Mevissen durch eine Skulptur im Figurenprogramm des Rathausturms.

¹"Da ich unglücklich war und wohl etwas unterdrückt - Mathilde von Mevissen und die Mädchenbildung"
in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins ; volume 75, issue 1, page 87-142 ; ISSN 0341-9320 2198-0675, (2004)

Zur Sammlung der Familie von Mevissen >>

08. März 2022