Aktuelles, Wissenswertes und Geschichten aus über 80 Sammlungsportalen - wir berichten regelmäßig aus unseren Sammlungen.

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8. März 2022 - Weltfrauentag

Mathilde von Mevissen - Frauenrechtlerin und Mitbegründerin des Kölner Frauenbildungsvereins

Mathilde von Mevissen (1848-1924) war die zweitälteste der fünf Töchter von Gustav von Mevissen (Unternehmer und Politiker im Rheinland, * 1815- † 1899). Wie im 19. Jahrhundert üblich, erhielten die Mädchen keine fundierte Ausbildung. Der Besuch einer Schule wurde durch Hauslehrer ersetzt. "In jeglichem Wissen bin ich Homöopath - habe stets nur die allerkleinsten Dosen genommen", schrieb sie Jahre später. Sie fand Mittel und Wege, sich heimlich Bücher aus der reichen, aber den Kindern verbotenen Bibliothek des Vaters zu beschaffen, um ihren Wissensdurst zu stillen. Als Erwachsene setzte sie sich sehr für die Rechte der Frauen (Frauenwahlrecht) und insbesondere für die Ausbildung und Förderung von Mädchen ein. Sie war Mitbegründerin des 1894 gegründeten Kölner Frauenfortbildungsvereins. Dass 1903 in Köln ein Mädchengymnasium - das erste in Preußen - eröffnet wurde, war ihrem Einsatz und ihrer finanziellen Förderung zu verdanken. Sie erlebte es noch, dass diese Schule 1923 nach ihr benannt wurde. Als verdiente Person der Stadtgeschichte ehrt die Stadt Köln das Andenken an Mathilde von Mevissen durch eine Skulptur im Figurenprogramm des Rathausturms.

"Da ich unglücklich war und wohl etwas unterdrückt - Mathilde von Mevissen und die Mädchenbildung"
in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins ; volume 75, issue 1, page 87-142 ; ISSN 0341-9320 2198-0675, (2004)

Zur Sammlung der Familie von Mevissen >>

08. März 2022

Islands Bücher und eine schöne Weihnachtstradition

In den Büchern unserer Kölner Islandsammlung findet man immer wieder Spuren früherer Benutzer:innen. In dieser Psalmensammlung von 1754 hat jemand z. B. ein handschriftliches Alphabet samt Sonderzeichen æ, þ und ø (heute: ö) eingetragen; außerdem haben sich verschiedene Personen mit Namen im Band verewigt. Neben Pfarrer Jón Magnússon aus Hvammur, dem das Buch wahrscheinlich gehört hat, finden wir Jón Helgason und Jón Jónsson, aber auch die Mädchennamen Ástríður und Þorbjörg. Vielleicht waren das Pfarrer Jóns Schüler*innen?

In Island spielt die literarische Tradition seit dem Mittelalter eine große Rolle, daher lernten schon früh viele Menschen lesen und schreiben. Dafür musste Papier her! Weil es in Island aber lange keine Papiermühlen gab, war der Rohstoff knapp. So wurde auch auf den unbedruckten Blättern in Büchern geübt.
Heute gibt es in Island genügend Papier und gerade in der Vorweihnachtszeit werden viele neue Bücher herausgegeben. Durch die sogenannte Weihnachtsbücherflut (isl. Jólabókaflóð) sind Bücher das traditionelle Weihnachtsgeschenk geworden (und Schockolade!) - perfekt, um sich in der Ruhe zwischen den Feiertagen gemütlich in spannende Geschichten vertiefen zu können.

Wenn Sie mehr über unsere Islandica Sammlung erfahren möchten, werfen Sie einen Blick auf unser Sammlungsportal >>

27. Dezember 2021

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Geniales Marketing im 19. Jahrhundert

oder Wie ein Kunstsammler die Vollendung des Kölner Doms vorantrieb

Eine Sammlungsgeschichte zur Einstimmung in den Advent:

Sulpiz Boisserée (*1783 †1854), ein Kölner Kunstsammler, Historiker und einer der Hauptinitiatoren der Dom-Fertigstellung im 19. Jahrhundert, träumte bereits 1808 von der Vollendung der Kathedrale und begann mit der zeichnerischen Erfassung der vorhandenen Bauteile. Nachdem er 8 Jahre später eine Hälfte des überarbeiteten mittelalterlichen Fassadenplans fand, veröffentlichte er ab 1821, also vor genau 200 Jahren, seine "Ansichten, Risse und einzelne Theile des Doms von Köln ...", eine Serie von Kupferstichen nach Zeichnungen u. a. von Angelo Quaglio, Friedrich Schinkel und Georg Moller. Für die Turmspitze des Vierungsturms plante Boisserée einen Stern als Symbol für den Dreikönigenschrein, der sich nach einigen Standortwechseln heute hinter dem Hochaltar befindet.

Die Zeichnungen zeigten, wie der Dom einmal aussehen könnte - ein hervorragendes Mittel, eine Idee zu verbreiten und seinen Zeitgenossen das Ziel buchstäblich vor Augen zu führen. Boisserées Plan ging auf und er löste mit seiner Veröffentlichung eine landesweite Begeisterung für den Dombau aus, der zu diesem Zeitpunkt eine fast 300 Jahre lange Bauunterbrechung hinter sich hatte.

Boisserées Werk in unserem Bestand:
Die 3. Lieferung von 1823 befindet sich in der Sammlung Jacob Ignaz Hittorff >> und die vollständige Ausgabe in unserem Sammelschwerpunkt Rheinland >>

26. November 2021

 

Projekt "Rettung der Wallraf-Bibliothek"

in der KEK-Ausstellung "Originalerhalt in Perspektive"

Die KEK feiert ihren 10. Geburtstag und unser Projekt zur "Rettung der Bibliothek von Ferdinand Franz Wallraf" ist Teil ihrer Ausstellung "Originalerhalt in Perspektive"!

Was bedeutet KEK?! - KEK steht für "Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts". Sie wurde 2011 in Berlin gegründet, um Archive und Bibliotheken beim Schutz schriftlichen Kulturgutes zu unterstützen und die Arbeit über Länder- und Spartengrenzen hinweg zu koordinieren.

Mit einer Online-Ausstellung dokumentiert die KEK nun ihre Arbeit. Anhand von 10 Objekten zeigt sie, wie vielfältig unser schriftliches Kulturgut ist: Das Spektrum reicht von Büchern aus Wachs über DDR-Plakate von 1948-1961 bis hin zur ersten in Deutschland empfangenen E-Mail im Jahr 1984. 

Wir sind mit der Bibliothek von Ferdinand Franz Wallraf dort vertreten. Denn als Wallraf stirbt, erbt die Stadt Köln seinen Nachlass:
"... Zur Erbin meines sämtlichen Nachlasses [...] setze ich die Stadt und die Gemeinde Köln ein, meine Vaterstadt." Dank seiner Verfügung wurde Wallrafs Bibliothek zum Grundstock unseres Bestandes. Während des zweiten Weltkriegs musste seine Bibliothek in einen Klosterkeller ausgelagert werden. Das feuchte Raumklima führte zu erheblichen Bestandsschäden, die nun im BKM-Sonderprogramm (Bundesregierung für Kultur und Medien) von 2018 bis 2020 dauerhaft gesichert wurden.

Zur KEK-Ausstellung >>

Ausführliche Informationen zum Projekt "Rettung der Bibliothek von Ferdinand Franz Wallraf" finden Sie hier:
Teil I - Teil II - Teil III

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09. November 2021