Kevelaer - Bibliothek des Oratorium Kevelaeriense

Ansicht des Priesterhaus Kevelaer

Priesterhaus Kevelaer

Kapellenplatz 35
47623 Kevelaer

Tel.: +49 2832 93380

E-Mail: info@wallfahrt-kevelaer.de
Internet: www.wallfahrt-kevelaer.de/index.php

Bibliothekssigel: Kv 1 = Y9083

Ansprechpartner:
Dr. Rainer Killich
Benutzung nach telefonischer oder schriftlicher Anmeldung

Im Priesterhaus in Kevelaer, einem der wichtigsten deutschen Wallfahrtsorte, befindet sich eine bemerkenswerte alte Bibliothek, deren Schwerpunkt auf der theologischen Literatur des 17. Jahrhunderts liegt.

Bestandsgeschichte:

Erstmals erwähnt wird die Bibliothek im Zusammenhang mit dem 1696 - 1704 errichteten Neubau der Niederlassung der Oratorianer, denen 1646 die Betreuung des Wallfahrtsortes Kevelaer übertragen worden war. Die Geschichte der Oratorianerbibliothek ist also eng verknüpft mit dem Wallfahrtsort Kevelaer.
Dank der wichtigen Rolle, die die Bibliothek für das Oratorianer-Generalstudium in Kevelaer spielte, wurde der Bestand kontinuierlich aufgebaut; Nachlässe und Schenkungen einzelner Oratorianer bereicherten die Sammlung zusätzlich.
Die Aufhebung der Oratorianerniederlassung 1802/03 bedeutete für den Bestand der Bibliothek einen tiefen Einschnitt. Über viele Jahre wurde er nicht vermehrt, aber immerhin relativ sorgfältig verwahrt. Seit dem 2. Weltkrieg versucht man, den vorhandenen Schwerpunkt Wallfahrtsliteratur antiquarisch zu ergänzen.

Bestandsumfang:

Neben zwei Dutzend meist neuzeitlichen Handschriften und ebenso vielen Inkunabeln besteht die Oratorianerbibliothek aus annähernd 4000 Drucken, die bis zur Aufhebung der Oratorianerniederlassung 1802/03 erschienen sind. Hinzu kommen 400 Bände vor allem des 18. und 19. Jahrhunderts aus der Kaplanei Keeken (bei Kleve), die seit 1969 in Kevelaer aufbewahrt werden.
Der Bestand wird beherrscht von Literatur zu allen Teilgebieten der Theologie und ihren Randbereichen (Philosophie, Geschichte). Daneben findet sich ein größerer Bestand neulateinischer Dichtung und Einzelwerke aus praktisch allen Fachgebieten.
Schwerpunkte liegen eindeutig bei der Literatur des 17. Jahrhunderts, die sicher mehr als die Hälfte des gesamten Bestandes umfasst, dann bei niederländischen und nordfranzösischen Drucken, darunter auch zahlreiche in niederländischer und französischer Sprache. Besonders interessant ist die inhaltliche Prägung durch die Priestergemeinschaft der Oratorianer, die aus Mecheln nach Kevelaer gekommen sind. Sie spiegelt sich nicht nur in zahlreichen Predigtsammlungen oder moraltheologischen Auslegungen, die von Oratorianern geschrieben wurden, sondern ganz besonders deutlich in den Streitschriften zwischen Jansenisten und Jesuiten in Frankreich und Belgien. Und da die Mechelner Oratorianer den Jansenisten verbunden waren, einer sehr rigiden Frömmigkeitsrichtung mit dem Zentrum im von der Familie Arnauld beherrschten Zisterzienserinnenkloster Port-Royal vor Paris, ist es auch nur folgerichtig, dass sie nicht nur mit den Löwener Jesuiten in lange Auseinandersetzungen verstrickt waren, sondern auch der Dogmatik und der Moraltheologie besondere Aufmerksamkeit schenkten. Diese Schwerpunkte finden sich auch in der Oratorianerbibliothek deutlich wieder.

Bestandserschließung und Benutzung:

Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde die Katalogisierung der Bibliothek 1990 begonnen. Seit Mitte 1992 wurde sie allein aus Landesmitteln fortgeführt und ist inzwischen abgeschlossen. Die Bücher sind im Nordrhein-Westfälischen Verbundkatalog nachgewiesen; darüber hinaus sind die mittelalterlichen Handschriften dem Handschriftencensus Rheinland und die Inkunabeln dem Gesamtkatalog der Wiegendrucke gemeldet worden.
Die Bände stehen zur Benutzung vor Ort zur Verfügung. In Einzelfällen werden sie nach Möglichkeit auch zur Benutzung in eine zentraler gelegene, größere Bibliothek gebracht, vorzugsweise in die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln.

Literatur:

Feldmann, Reinhard ; Kerkhoff, P. Radbert: Bibliothek des Oratorium Kevelaeriense. In: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Bd. 4, 1993, S. 30 - 32