Hilferding - Die Bücher des Reichsfinanzministers

Im März 1957 beauftragte der Direktor des Seminars für politische Wissenschaften der Universität zu Köln , Prof. Dr. Heinrich Brüning seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. H. J. Unland, die USB davon in Kenntnis zu setzen, dass das Seminar die Bibliothek von Rudolf Hilferding übernommen hätte. Die in den USA lebende Witwe Frau Dr. Rose Hilferding hatte die sog. Handbibliothek ihres Mannes 1956 dem Seminar geschenkt. So waren die Bücher des ehemaligen Reichsfinanzmisters der SPD in die Obhut des ehemaligen Reichskanzlers der Zentrumspartei übergegangen. Heute befinden sich die rund 700 Bände in der USB, wo sie geschlossen unter der Signatur HILF aufgestellt wurden. Die Handbibliothek beinhaltet wichtige Werke zu Sozialismus, internationaler Politik und Volkswirtschaft bis zum Erscheinungsjahr 1933. Die Erschließung der Bücher umfasste auch die Verzeichnung der Provenienzen, so dass Widmungen von prominenten Parteigenossen wie August Bebel und Karl Kautsky aber auch von Freunden Hilferdings wie z.B. René Schickele verzeichnet wurden.

Dr. Rudolf Hilferding (1877-1941)

Rudolf Hilferding wurde am 18. August 1877 als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie in Wien geboren. An der dortigen Universität studierte er Medizin, daneben beschäftigte er sich jedoch bereits früh mit sozial- , nationalökonomischen und finanzwissenschaftlichen Fragen. Nach der Promotion 1901 praktizierte er zunächst als Arzt. Ein Jahr später arbeitete er mit Karl Kautsky an der Zeitung „Neue Zeit“ und 1906 berief ihn August Bebel an die Parteischule der SPD nach Berlin. Bereits mit den von ihm herausgegebenen „Marx-Studien“ wurde Hilferding große Aufmerksamkeit zuteil Sein Hauptwerk „Das Finanzkapital“ von 1910 trug ihm den Ruf ein, der wichtigste sozialistische Ökonom deutscher Sprache zu sein. Der überzeugte Pazifist wurde 1914 zum österreichischen Militär einberufen und diente als Arzt bis Kriegsende an der italienischen Front. Von 1919 bis 1922 gehörte er in Deutschland der USPD und anschließend der SPD an. Im Kabinett des Reichskanzlers Stresemann wurde Hilferding 1923 erstmals Finanzminister. Ein weiteres Mal ernannte man den Finanzexperten, der maßgeblich an der Entstehung der Deutschen Rentenmark beteiligt war, im Kabinett der SPD-geführten Regierung von Hermann Müller zum Minister (1928-1929).

1933 wurde der SPD-Politiker jüdischen Glaubens von den Nationalsozialisten ausgebürgert. Zuvor war er bereits über Dänemark in die Schweiz nach Zürich und von dort kurzfristig in die Tschechoslowakei zum Exilvorstand der SPD geflohen. Schließlich emigrierte er nach Paris. Im Februar 1941 wurde Rudolf Hilferding verhaftet und schwer misshandelt. Zwei Tage später starb er im Pariser Gestapo-Gefängnis La Santé (!). Seiner Frau gelang die Emigration in die USA.