Johannes Fastenrath in seinem Arbeitszimmer

FASTENRATH -  ¡VIVA ESPAÑA!

Johannes Fastenrath wurde am 3. Mai 1839 als einziger Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Remscheid geboren. 1847 siedelte die Familie nach Köln über. Fastenrath besuchte das Kölner Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und studierte anschließend an den Universitäten Bonn, Heidelberg, München, Paris und Berlin Rechtswissenschaften. Nach der Promotion an der Universität Berlin begann Fastenrath seine Referendarausbildung am Kölner Landgericht. Von Hause aus vermögend, zog sich Fastenrath aber bald vom Juristenberuf zurück und unternahm ausgedehnte Reisen. Als Privatier widmete er sich fortan seiner Lebensaufgabe, der Vermittlung zwischen der deutschen und der spanischen Kulturnation. In Köln war Fastenrath maßgeblich an der Gründung der Literarischen Gesellschaft im Jahr 1893 beteiligt. Neben Dichterlesungen und Vortragsabenden sind vor allem die "Kölner Blumenspiele", ein jährlich stattfindender romantischer Dichterwettbewerb, zu erwähnen. Die Fastenraths förderten außerdem den Kölner Karneval.

Die Bibliothek von Johannes Fastenrath

Bereits in seiner Studienzeit hatte Fastenrath Geschichte und Sprachwissenschaft als Nebenfächer belegt. Mit seiner späteren kongenialen Ehefrau, der Schriftstellerin Luise Goldmann, übersetzte, editierte und schrieb Johannes Fastenrath spanische Werke und förderte die spanische Literatur in vielfältiger Weise. Die Fastenraths unterstützten jedoch nicht nur die Kunstschaffenden, sondern sie leisteten ebenso großzügige Hilfe für die Opfer der verheerenden Naturkatastrophen (Überschwemmungen, Erdbeben) und der Pestepidemie, die Spanien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts heimsuchten. Für sein Engagement wurde Fastenrath besondere Hochachtung zuteil.

Am 16. März 1908 starb Johannes Fastenrath an den Folgen einer Lungenentzündung in Köln.  Anlässlich seines Todes verfassten etliche spanische Zeitschriften Nachrufe. Der spanische König Alfons XIII kondolierte der Witwe und bedankte sich für die Legate für notleidende deutsche und spanische Schriftsteller. Ab 1909 wurde in  Barcelona bei den "Jocs Florals" der "Fastenrath-Preis" vergeben.
 

Exlibris Johannes Fastenrath

BIBLIOTHEKSSCHENKUNG AN DIE STADTBIBLIOTHEK

Die "Bibliothek sei der Stadt Köln als Andenken an mich" zu übergeben. So bestimmte es das 1908 eröffnete Testament von Johannes Fastenrath.
Die Schenkung an die Stadtbibliothek umfasste rund 10.000 Bände Literatur aus romanischen Ländern, darunter eine beachtliche Anzahl von Büchern zur spanischen Literatur, Geschichte und Landeskunde.
Nach dem Aussondern der Dubletten wurden die Bücher in die nach Fächern gegliederte Aufstellungssystematik übernommen. Durch die Vergabe des Sammlungsvermerks "Sammlung Johannes Fastenrath“ wird die Bibliothek heute zumindest virtuell wieder zusammengeführt.

Fastenraths Bücher weisen ein besonders prächtiges Exlibris auf. Es zeigt zwei auf einem Podest stehende Frauenfiguren, die die Verkörperung Spaniens und Kölns darstellen sollen. Sie repräsentieren die intensive Freundschaft des Ehepaars Fastenrath mit Spanien.

 

preisgekröntes Gedicht "Gottsuchers Christnacht" von Anton Pilcher bei den Kölner Blumenspielen im Mai 1903

DIE KÖLNER BLUMENSPIELE

"Patria, Fides, Amor", so lautete das Motto der Kölner Blumenspiele. Jedes Jahr fand im festlich geschmückten Gürzenich am ersten Sonntag im Mai die feierliche Proklamation der Blumenkönigin statt. Die Gewinner des Wettbewerbs der dichterischen Beiträge empfingen anschließend ihre Preise aus der Hand der Blumenkönigin. Fastenrath stiftete 10.000 Mark für die Preise und die Kosten der Aufführung. Es wurden keine Geldpreise, sondern Ehrenschleifen und goldene und vergoldete Blumen überreicht. Tief beeindruckt und inspiriert durch die Blumenspiele in Barcelona hatten die Fastenraths die Kölner Literarische Gesellschaft überredet, dieses Spektakel auch in Köln stattfinden zu lassen. Mit den Jahren gelang es auch echte Königinnen nach Köln einzuladen. So besuchten Elisabeth von Rumänien (Pseudonym Carmen Sylva) und die Infantin von Spanien und andere hochadelige Damen die Festtage. Ein eigenes Jahrbuch dokumentiert die Festivität von 1899 bis zum 16. Jahrgang 1914. Der Erste Weltkrieg beendete die romantische Zeit der Blumenspiele in Köln. In den Nachkriegsjahren fiel Fastenraths gestiftetes Vermögen in großen Teilen der Inflation anheim. Zur Online-Ausgabe ⇒ Jahrbuch der Kölner Blumenspiele

AUSGEWÄHLTE LITERATUR