Porträt von Dante Alieghieri -
Fresco im Dom zu Orvieto

DANTE - GÖTTLICHE KOMÖDIE UND INDUSTRIELLER KOMMERZ

Die 1964 erworbene Privatsammlung Wilhelm Reiners umfasste ursprünglich ca. 1200 Bände. Nach Abgabe der Dubletten an das Petrarca-Institut Köln und an die Universitätsbibliothek Bochum verblieben ca. 900 Bände. Eine Zählung anhand des Katalogs der Sammlung Reiners ergab 409 Titel, die vor 1900 erschienen waren. Die Mehrzahl dieser Werke wurden im 19. Jahrhundert publiziert. Neben 244 italienischen Titeln waren die deutschen Ausgaben am meisten vertreten (110). Die übrigen Werke verteilen sich auf die lateinische, französische, englische, niederländische und dänische Sprache. Etwa 200 Titel sind Dante-Ausgaben und Dante-Briefe, überwiegend in der Originalsprache, teilweise mit Illustrationen versehen. Die restlichen Titel der Sammlung sind Kommentare, Forschungsberichte, biographische Werke und Literatur über die Renaissance. Die Sammlung Reiners brachte also für die USB eine außergewöhnliche Bereicherung ihres Dante-Bestandes, so dass sie seither eine der umfassendsten und besten Dante-Kollektionen Deutschlands verwahrt.
Die Sammlung wird von der USB Köln stetig erweitert.

Dante in esilio -  Domenico Peterlini (attribuito), circa 1860

DANTE ALIGHIERI (1265 - 1321)

Dante Alighieri wurde im Mai oder Juni 1265 in Florenz geboren. Er starb am 14. September 1321 in Ravenna.
Er wurde nach den gleichen Aussagen von Filippo Villanis und Dantes Sohn Jacopo Alighieri auf den Namen Durante getauft, der in der Aussprache dann zu Dante verkürzt wurde. Der Familienname Alighieri geht zurück auf den Vater Alighiero II. und den Großvater Alighiero I. und wurde auch von Dantes Söhnen weitergeführt.
Mit seiner Göttlichen Komödie hat er das bis dahin dominierende Latein überwunden und das Italienische zu einer Literatursprache heraufgeführt.
Dante ist der bekannteste Dichter Italiens und gilt als einer der bedeutendsten Poeten des europäischen Mittelalters. Sein Werk schöpft souverän aus der Theologie, der Philosophie und den übrigen Wissenschaften (Artes liberales) seiner Zeit.

Wilhelm Reiners - Firmenchef von "W. Schlafhorst & Co." und der "Chemischen Fabrik Rhenus Wilhelm Reiners"

WILHELM REINERS (1873-1943)

Wilhelm Reiners, dem die Universitäts- und Stadtbibliothek eine umfangreiche Dante-Sammlung verdankt, wurde am 11. November 1873 in Aachen geboren. Nach dem Abschluss einer Schlosserlehre nahm er in Köln das Studium an der Königlich Preußischen Maschinenbauschule auf, wo er 1896 das Ingenieurexamen ablegte. Im selben Jahr trat der 23-jährige seine erste Stellung bei einer von Wilhelm Schlafhorst gegründeten Maschinenbaufirma in Mönchengladbach an. 1896 übernahm Wilhelm Reiners die technische Leitung und entwickelte ab 1901 komplette Vorbereitungsmaschinen für die mechanische Weberei.
Bereits 1903 wurde Reiners vom Firmenchef zum Teilhaber des Unternehmens ernannt, das fortan als "W. Schlafhorst & Co." firmierte. Als sich der Firmengründer 1910 ganz aus dem Geschäftsleben zurückzog, übernahm Wilhelm Reiners den Betrieb in Alleinregie. Auch die inzwischen ausgegliederte Öl- und Fettfabrik "Chemische Fabrik Rhenus Wilhelm Reiners" leitete er seitdem als alleiniger Inhaber.
Er bereicherte die Produktionspalette seines Maschinenbauunternehmens um weitere Neukonstruktionen, spezialisierte sich auf die Herstellung von Webereivorbereitungsmaschinen und erlangte in kurzer Zeit mit seinen Produkten internationales Renommee.
Während der beiden Weltkriege musste das Unternehmen auf Rüstungsgüter umstellen.

Ansicht der Maschinenfabrik "W. Schlafhorst & Co." (ca. 1930)

Ende August 1943 wurden die Fabriken der Firma Schlafhorst innerhalb weniger Stunden fast völlig zerstört. Am 16. Dezember 1943 verstarb Wilhelm Reiners auf einer Geschäftsreise nach Den Haag.
Die Firmenleitung ging auf seinen Sohn Walter über, der 1936 in das Familienunternehmen eintratt und nach vier Jahren von seinem Vater bereits zum Teilhaber ernannt wurde. Er baute das Unternehmen als Alleininhaber weiter aus und führte es bis zu seinem Tod 1980. 1989 übernimmt sein Sohn Dr. Max Reiners die Geschäftsführung und leitet das Unternehmen bis heute.
Aktuell besteht die Firma als eine der führenden Industrieschmierstoffhersteller weltweit mit Tochterfirmen in Spanien, Frankreich und den Niederlanden. Sie ist mit Auslandsvertretungen international vertreten und unterhält einer der modernsten Fettfabriken Europas.

Titelblatt von "Das Leben Dantes" von Giovanni Baccaccio, 1909

DER SAMMLER WIHELM REINERS UND SEINE SAMMLUNG VON DANTE-DRUCKEN

Neben seinem Interesse für Fotographie, beschäftigte sich Wilhelm Reiners auch mit der rheinischen Landesgeschichte und der Familienforschung. Seine besondere Passion gehörte aber Dante Alighieri. Das brachte ihn auch dazu, sich eine umfangreiche Sammlung von Dante-Drucken zuzulegen. In seiner Bücherkollektion fanden sich italienische Ausgaben der "Commedia" aus der Inkunabelzeit und dem frühen 16. Jahrhundert, Editionen des bekannten Venezianer Druckers Aldus Manutius und Erstausgaben deutscher Übersetzung aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sowie Übertragungen in andere europäische Sprachen. Sekundärliteratur und bibliographische Werke über Dante sind gleichfalls in seiner Kollektion vertreten. Insgesamt trug Reiners rund 1.200 Bände zusammen.
Zwei Jahrzehnte nach dem Tod des Sammlers entschlossen sich die Erben "Wilhelm Reiners', die Dante-Bände zu veräußern und boten sie der USB Köln an. Im April 1964 wurde man sich handelseinig und die Kollektion mit ihren rund 1.200 Bände kam an die Kölner Universität. Mit 910 Bänden übernahm die USB den größten Teil. Die Bände, versehen mit dem Exlibris des ehemaligen Besitzers, wurden im Magazin aufgestellt.

Die für das Fach Romanistik zuständigen Fachreferenten haben sich seither bemüht, die Sammlung durch weitere Ankäufe zu komplettieren und fortzuführen. Die Zahl der Titel von und über Dante dürfte inzwischen die Schwelle von 1.500 Bänden überschritten haben.
Die Einsichtnahme für Forschungszwecke erfolgt im Lesesaal Historische Sammlungen.
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