Landesmittel zur Bestandserhaltung

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Im Jahr 2009 stellte das Land NRW den großen Bibliotheken des Landes -wie im Vorjahr - Mittel zur „Bestandserhaltung durch Einzelrestaurierung besonders wertvoller und schützenswerter Werke“ zur Verfügung. Die Erhaltung, Erschließung und Pflege wertvoller Altbestände ist eine zentrale Aufgabe der Bibliotheken.

Makulatureinband vor und nach der Restaurierung

Mallinckrott, Bernard á: Paralipomenon de historicis Graecis centuriae quinque.Coloniae Agrippinae, Hartger Worringen, Witwe, 1656. Makulatureinband. Aus der Bibliothek von Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824). Aus dem Kölner Jesuitenkolleg 1657. Restauriert von Diplom-Restauratorin Anja Koschel.

Durch die vom Land NRW in 2009 zur Verfügung gestellten Mittel konnten 92 besonders wertvolle Bände aus dem Inkunabel- und Rara-Bestand der USB Köln vollrestauriert und einkassettiert werden. Sie stehen der Forschung und Lehre wieder zur Verfügung. Der weitere Substanzverlust konnte verhindert und so wichtiges Kulturgut erhalten werden!

Eck- und Zentralplattenband Köln um 1615

Ortelius, Abraham: Theatrum orbis terrarum. Editio Vltima. Antwerpen, Plantin, 1612.
Eck- und Zentralplattenband Köln, Meister mit dem Federnelkenstempel d. Ä. (?), um 1615.
Aus der Kölner Syndikatsbibliothek. Signatur: SB899
s. Digitale Einbandsammlung der USB Köln. Restauriert von Diplom-Restauratorin Alexandra Haas.

Restaurierungsdokumentation (pdf) von SB899

Angesichts der Bestandsgröße, der Benutzungshäufigkeit der Bücher und den vorkommenden Bestandsschäden benötigt die USB Köln aber zur Erhaltung des schriftlichen Kulturerbes weitere finanzielle Hilfe!

Entscheidend für eine fachgerechte Instandsetzung ist die historische Relevanz des Bandes in seiner Gesamtheit. Bei der Beurteilung der Bedeutsamkeit eines Bandes für die Bibliothek ist der antiquarische Preis eines vergleichbaren Titels nur ein Faktor. Abhängig von bibliophilen Modeerscheinungen und der Aktualität des Textes kann er schwanken. Gelegentlich sind selbst seltene Werke im Handel wohlfeil zu erstehen, wenn sie denn über geraume Zeit keine Liebhaber fanden. Während aber ein veraltetes Lehrbuch im Bereich der aktuellen wissenschaftlichen Forschung verzichtbar war und im Ramsch oder, schlimmer noch, im Abfall endete, wird es möglicherweise nach vielen Jahren von den Historikern als Quelle entdeckt und zur wichtigen und wertvollen Informationsquelle. Gerade die seinerzeit als wertlos erachtete und zum Verbrauch bestimmte Literatur, wie z. B. Flugschriften, Gesang- und Kochbücher, erzielt heute ihrer Seltenheit wegen auf Auktionen beeindruckend hohe Preise. Diesen Erkenntnissen zufolge gelten für archivierende Bibliotheken andere Regeln der Bestandserhaltung als für private Sammler. Abgesehen von ihren wissenschaftlich relevanten Inhalten vermitteln Bücher als Zeitzeugen in ihrer Gesamtheit wichtige Kapitel zur Geschichte der Stadt oder der Region und spiegeln das spirituelle Erbe monastischer Gemeinschaften. Ein beredtes kulturgeschichtliches Zeugnis der Handwerkskunst geben die oft schon früh entstandenen Einbände.

Brandschaden

Brandschaden an einem
Mainzer Druck von 1557. Die Restaurierung
des Bandes übernahm die Diplom-Restauratorin
Alexandra Haas.

Gereinigter Pergamentband

Teilweise gereinigter Pergamenteinband (s. rote Markierung) während der Restaurierung. Die Restaurierung übernahm die Diplom-Restauratorin Anja Peter.

Die Bibliothekare und Forscher in allen historischen Bereichen interessieren sich für Bücher mit Besitz- und Zensurvermerken, Marginalien und alten Signaturenschildern, Stempeln, historischen Einbänden, Einbandmakulatur und anderen individuellen Merkmalen wie auch Zeugnissen des Gebrauchs. Erfahrungsgemäß können Digitalisate oder Ersatzexemplare den musealen Wert eines alten Buches mit seinen individuellen Informationsquellen und im Kontext seiner Sammlung nicht ersetzen. Es ist unentbehrlich und nicht austauschbar!

Üblicherweise bestimmen der historische und materielle Wert der einzelnen Objekte wie natürlich auch das Ausmaß der vorliegenden Schäden den Aufwand der Restaurierung und die Auswahl der Restauratoren. Die Auswahl richtet sich nach Kompetenz, Werkstattausstattung und Kapazität der Restaurierungswerkstätten. Ein jedes Buch bedarf einer individuell auf die Schadenssituation und den Buchwert abgestimmten Behandlung. Prinzipiell fällt die Entscheidung für eine Restaurierung nicht, um das Buch zu verschönern, sondern immer nur dann, wenn es nicht mehr benutzbar und in seinem Fortbestand gefährdet ist. Erhaltende Maßnahmen haben den Vorrang vor Rekonstruktionen. Das Restaurieren von Büchern war und ist Trends unterworfen. Es richtet sich heute nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in technischer und buchhistorischer Hinsicht.

Die Kölner Restaurierungen sollen generell sichtbar, nachvollziehbar und mit reversiblen wie auch alterungsbeständigen Materialien ausgeführt sein. Immer bedarf es eines ausführlichen Restaurierungsberichts, der den Zustand des Buches vor, während und nach der Restaurierung mit einem Text, Abbildungen und der Angabe der verwendeten Werkstoffe angemessen dokumentiert.

Defekter Buchrücken

Rücken des flämischen Einbandes eines Leidener Druckes von 1526
vor und nach der Restaurierung. Die Restaurierung übernahm die Diplom-Restauratorin Nadine A. Sarad.

Textile Pflaster auf Lederband

Textile "Pflaster" für Fehlstellen
im Leder vor der Restaurierung und
Lederergänzungen nach der Abnahme
der alten, unsachgemäßen Notsicherung.
Restauriert von der Diplom-Restauratorin
Anja Peter.

Blüten- und Pflanzenreste

Auch scheinbar unbedeutende bei der Reinigung des Bandes gelöste Partikel können ein sehr wichtiges Provenienzmerkmal sein. Sie werden in die Restaurierungsdokumentation eingefügt. In diesem Fall Blüten- und Pflanzenteile aus einem Basler Druck von 1518. Den Band restaurierte die Diplom-Restauratorin Anja Peter.

Ansprechpartner:
Caroline Dohmen-Richter (eMail)
Tel.: +49 221 470-2416

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Letzte Änderung: 10.08.2010
Webredaktion