Die Uni-Bibliothek nach der ersten Umbauphase

Ein Erfahrungsbericht aus dem Frühjahr 2011

Hallo, mein Name ist Jan. Ich bin Student und ein regelmäßiger Besucher der Uni-Bibliothek. Die letzten Monate waren schon ziemlich nervig, der Umbau hat doch Besucher wie Mitarbeiter gleichermaßen gestört. Gut, dass es wenigstens die Möglichkeit gab, einen Gehörschutz zu bekommen. Doch nun ist es endlich soweit, die erste Umbauphase ist vorbei, und die neu gestalteten Bereiche werden für die Nutzung freigegeben. Ich bin schon sehr gespannt.

Da ich einen Artikel über den Umbau schreiben möchte, bin ich mit der Bibliotheksmitarbeiterin Frau M. verabredet. Sie will mir bei meinem ersten Rundgang erklären, wie es nun in der Bibliothek funktioniert und warum es zu welchen Entscheidungen kam. Bereits beim telefonischen Vorgespräch hat Frau M. mich darauf hingewiesen, dass mit dieser ersten Umbauphase nicht das gesamte Gebäude saniert wurde – wir müssen also damit rechnen, dass es in späteren Umbauphasen noch einmal recht ungemütlich wird. Doch die bisher nicht renovierten Gebäudeteile hätten es ja auch bitter nötig.

Eingang

Eingang

Ich bin mit Frau M. am Eingang verabredet. Sie hat mir schon am Telefon erklärt, dass es nunmehr nur noch einen Zugang zu den Bibliotheksräumen gibt. Damit ist es möglich, eine zentrale Eingangskontrolle vorzusehen. Dahinter kann man sich dann frei in der Bibliothek bewegen. In der Bauphase war der Eingang an der Ecke Universitätsstr. / Kerpener Str. geschlossen, wir konnten die Bibliothek an der Seite vom Hörsaalgebäude betreten. Nun ist es genau umgekehrt: Der Eingang Richtung Hörsaalgebäude ist jetzt nur noch Fluchtweg, der einzige Eingang befindet sich an der Ecke Universitätsstr. / Kerpener Str.. Ein Durchgang zwischen den Bibliotheksbereichen und den Hörsälen, die sich ja im Verwaltungstrakt der Bibliothek befinden, ist nicht mehr möglich. Wenn ich also zur Vorlesung will, benutze ich einen der beiden hinteren Eingänge. Doch von dort aus komme ich nicht in den Bereich mit den Lesesälen und der Ausleihe.

Direkt hinter dem Eingang geht es rechts in die ebenfalls neu gestaltete Cafeteria. Diese hat nunmehr einen abgetrennten Raum. Dies trägt sicher dazu bei, dass es insgesamt ruhiger wird. Geht man vom Eingang aus geradeaus, so findet man die neuen Garderobenschränke. Eine Garderobe, die durch Personal betrieben wird, sucht man inzwischen vergebens. Wie mir Frau M. erklärt, war dies eine Auflage des Brandschutzes. In diesem Punkt hatte die Bibliothek kein Mitspracherecht. Von der alten Garderobe, in der die Jacken und Mäntel offen aufbewahrt wurden, ging im Brandfall eine deutlich höhere Gefahr aus.

Hinter der Garderobe stoße ich dann auf den Kassenautomaten. Der ist ja nicht neu, er hat lediglich seinen Platz gewechselt und ist von der ersten Etage ins Erdgeschoss verlagert worden. Klar, Gebühren sind nicht toll, doch wenn es dann schon sein muss, bin ich doch froh, dass ich auch mit der EC-Karte bezahlen kann. Und Geld wechseln kann ich dort ja auch.

An der Stelle, an der früher die Garderobe war, befindet sich nun ein Rückgabeschalter, an dem alle ausgeliehenen Bücher zurückgegeben werden. Dies gilt also auch für Bücher aus der Lehrbuchsammlung. Die Zeiten, in denen ich die Bücher selbst wieder ins Regal stellen musste, sind damit vorbei. Frau M. erklärt mir, dass irgendwann auch die Rückgabe über einen Automaten laufen soll. Doch so weit ist es bisher noch nicht.

Erdgeschoss

Erdgeschoss

Gleich dahinter ist die neue zentrale Eingangskontrolle platziert. Den Rest der Bibliothek kann ich also nur noch ohne Jacke und Tasche betreten. Vor dem Umbau konnte man ja noch mit Jacke und Tasche an die Ausleihe, um dort Bücher abzuholen. Doch da die Ausleihe jetzt mit Abholregalen organisiert ist, ist es schon nachvollziehbar, dass man diesen Bereich nicht mehr mit Jacke und Tasche betreten darf.

Direkt hinter der Eingangskontrolle sind die renovierten Toiletten zu finden. Diese machen wirklich einen sauberen, hellen und freundlichen Eindruck. Es bleibt zu hoffen, dass alle Besucher dazu beitragen, dass es sauber und ordentlich bleibt. Das trägt doch sehr zum Wohlbefinden bei.

In der Lehrbuchsammlung ist baulich alles beim Alten, hier lässt eine Sanierung noch auf sich warten. Organisatorisch hat sich jedoch einiges geändert: In der Lehrbuchsammlung gibt es jetzt keinen Schalter mehr, an dem über die gesamten Öffnungszeiten jemand sitzt. Die Rückgabe findet ja schon vorher am gemeinsamen Rückgabeschalter statt, und die Ausleihverbuchung mit den Selbstverbuchungsgeräten ist mir ja schon seit längerem vertraut. Doch Frau M. erklärt mir, dass es außerdem noch eine andere wichtige Neuerung gibt, die allerdings schon während der Umbauphase umgesetzt wurde: Bisher war ich es gewohnt, dass es nicht möglich war, die Ausleihfrist für Bücher aus der Lehrbuchsammlung zu verlängern. Auch Vormerkungen waren nicht möglich, wenn das gesuchte Buch gerade nicht da war. Einige findige, aber nicht gerade solidarische Zeitgenossen haben die begrenzte Ausleihfrist dadurch unterlaufen, dass sie ein ausgeliehenes Buch zurückgegeben und anschließend mit einem zweiten Ausweis eines Kommilitonen gleich wieder ausgeliehen haben. So haben einige Leute die Bücher langfristig blockiert, andere kamen hingegen überhaupt nicht zum Zuge. Inzwischen sind auch in der Lehrbuchsammlung sowohl Verlängerungen als auch Vormerkungen möglich – so wie es ja für die anderen Bestände der Bibliothek immer schon möglich war. Das finde ich viel gerechter. Wenn ich ein Buch nicht vorfinde, kann ich es vormerken und kann dann sicher sein, dass ich es auch bekomme, sobald es zurück kommt. Vorgemerkte Bücher liegen für mich in den Abholregalen bereit. Ein Buch, das ich ausgeliehen habe, kann ich durch die Verlängerung länger behalten, solange niemand es vorgemerkt hat. Die Verlängerung ist online möglich, ich muss die Bücher nicht erst hin und her schleppen.

Anschließend gehen wir hoch in die erste Etage. Direkt neben den Treppen befindet sich ein neuer Zugang zu einem gesicherten Lesesaal. In diesem Raum, in dem früher das Europäische Dokumentationszentrum war, finden wir die neue Lesesaalausgabe sowie im angrenzenden Raum– wie bisher auch – die aktuellen Zeitschriftenhefte. An der Lesesaalausgabe werden wie bisher die Materialien ausgeben, die nur im Lesesaal benutzt werden dürfen oder aber von mir zur Benutzung im Lesesaal aus dem Magazin bestellt wurden. Diese Materialien soll ich zukünftig nur noch in diesem gesicherten Lesesaal benutzen, denn hier haben die Bibliotheksmitarbeiter die Materialien etwas besser im Blick. Daneben bekomme ich jetzt aber auch Bücher an der Lesesaalausgabe, die ich über die Fernleihe bestellt habe. Frau M. erklärt mir auch, warum diese bestellten Fernleihbücher nicht wie alle anderen Sachen in den frei zugänglichen Abholregalen zu finden sind. „Die Verbuchung der Bücher aus unserem eigenen Bestand erfolgt ja jetzt durch die sogenannte RFID-Technologie. Dazu ist es notwendig, dass wir in alle unsere Bücher einen RFID-Chip einkleben. Dieser Chip dient gleichzeitig als Schutz vor Diebstahl. Solche Chips dürfen wir natürlich nicht in fremde Bücher einkleben, die über die Fernleihe in unsere Bibliothek kommen. Darum müssen Fernleihmedien anders verbucht werden und stehen nicht im frei zugänglichen Bereich.“

Der Schalter für Anmeldung und Auskunft ist durch den Umbau näher an die Treppe gerückt – direkt vor den Bereich, in dem früher die Rücknahme war - und ist somit besser zu finden. Hinter der Auskunft findet sich ein neuer PC-Pool. Die PCs, die bisher verteilt auf der ersten Etage im Bereich vor der langen Ausleih- und Rücknahmetheke standen, sind nunmehr zentral in einem verglasten Raum untergebracht. Auch dies war eine Auflage des Brandschutzes. Der Zugang zum Verwaltungstrakt der Bibliothek sowie zu den Hörsälen ist an dieser Stelle für Besucher nicht mehr möglich.

1. OG

1. OG

Die beiden langen Theken sind verschwunden. Der Raum, in dem auch schon früher die Ausleihe untergebracht war, ist nun für mich frei zugänglich. Bereits in der Umbauphase gab es ja diese Abholregale – zunächst provisorisch im Freihandmagazin untergebracht. Durch diese Neuerung ist es jetzt möglich, die bestellten oder vorgemerkten Bücher über die gesamten Öffnungszeiten der Bibliothek abzuholen – also auch nach 19 Uhr oder am Wochenende. Die bestellten Bücher liegen für mich, geordnet nach den letzten 4 Zahlen vor der Raute (#) einschließlich dem nachfolgenden Prüfzeichen meiner Benutzernummer, aufsteigend von 0000 bis 9999 (Beispiel:Benutzernummer: A07654321#B, Abholregal: A 4321#B), bereit. Die Bücher werden nicht nach Namen sortiert bereit gelegt – muss ja auch nicht jeder wissen, welche Bücher ich ausleihe. Beim ersten Mal ist die Orientierung schon noch etwas ungewohnt, doch da die Bücher für mich immer an der gleichen Stelle liegen, spielt sich das sicherlich schnell ein. Die Ausleihverbuchung mit den Selbstverbuchungsgeräten kenne ich ja schon aus dem Sofortausleihbereich und der Lehrbuchsammlung.

So ganz wohl ist mir bei dem Gedanken nicht, dass die Bücher, die ich bestelle, auch für andere Besucher frei zugänglich sind. Doch Frau M. weiß, dass andere Bibliotheken, die dieses System schon vor längerem eingeführt haben, sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Natürlich gibt es die Befürchtung, dass andere Nutzer die bestellten Bücher „vor der Nase wegschnappen“. Doch zum einen ist es natürlich bei fast 1.000 Ablagenummern sehr schwierig, in den Abholregalen ein spezielles Buch zu finden, wenn man es nicht selbst bestellt hat. Und selbst in dem Falle, dass jemand – zufällig oder nach gezieltem Suchen – ein Buch findet, das ein Anderer bestellt hat, so kann dieses Buch nur mit dem Ausweis des eigentlichen Bestellers an den Selbstverbuchungsgeräten verbucht werden. So berichten die anderen Bibliotheken einhellig, dass dieser Fall in der Praxis nicht vorkommt. Und selbst, wenn es tatsächlich einmal passieren würde, dass ein von mir bestelltes Buch „verschwindet“, so werde ich dafür nicht haftbar gemacht: Erst nachdem ich ein für mich bereitliegendes Buch am Selbstverbuchungsgerät ausleihverbucht habe, hafte ich im Falle eines Verlustes.

EDZ / 2. OG

EDZ

Damit ist unser erster Rundgang schon fast beendet, die Lesesäle sind in dieser Umbauphase leider noch nicht renoviert worden – mal sehen, wann es dann weitergeht. Unsere letzte Station ist das Europäische Dokumentationszentrum (EDZ). Frau M. führt mich in die zweite Etage der Lesesäle. Dort hinter den Gruppenarbeitsplätzen, wo früher der alte Zettelkatalog und die gedruckten Fachbibliographien standen, hat das EDZ ein neues schönes Domizil gefunden. Es ist sicherlich etwas versteckt, dafür kann man dort wunderbar ruhig und abseits vom Trubel arbeiten. Der alte Zettelkatalog steht inzwischen auf der sogenannten Galerie des Lesesaals, die gedruckten Bibliographien und auch der Bereich für die Gruppenarbeitsplätze mussten leider etwas zusammen rücken. Denn so durchdacht eine Umbauplanung auch sein mag, der zur Verfügung stehende Raum vermehrt sich alleine dadurch ja nicht. So hofft die Bibliothek darauf, dass bald auch der schon lange geplante und erhoffte Erweiterungsbau in Angriff genommen werden kann. Denn selbstverständlich wissen Frau M. und ihre Kolleginnen und Kollegen schon seit langem, dass die Arbeitsplätze für die Besucherinnen und Besucher in der Universitätsbibliothek dem täglichen Ansturm keinesfalls gerecht werden können. Und auch der Platz für die ständig anwachsenden Bestände in den Magazinen ist schon seit langem ausgereizt, so dass bereits wenig genutzte Bestände ausgelagert werden mussten. Für diese Bestände sind natürlich auch die Lieferzeiten länger. Drücken wir also die Daumen, dass die Geldgeber bald ein Einsehen haben und grünes Licht für die weitere Renovierung und den Erweiterungsbau geben.

Euer
Jan

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Letzte Änderung: 23.11.2010
Webredaktion