Sammeln und Lesen, die Kölner H.C. Artmann-Sammlung Knupfer

Der Geschäftsführer des Kölner Auktionshauses Venator und Hanstein, Karl-Heinz Knupfer, hat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln eine umfangreiche Sammlung von Werken des österreichischen Autors Hans Carl Artmann (1921-2000) geschenkt. H. C. Artmann ist einer der bemerkenswertesten und vielseitigsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Artmann erhielt viele literarische Auszeichnungen, darunter auch den Georg-Büchner-Preis und den Großen Österreichischen Staatspreis. Die neue Artmann-Sammlung wird der Öffentlichkeit in einer umfassenden Ausstellung

vom 9. Februar bis zum 31. März 2006
im Foyer der USB

gezeigt. Die Bibliothek ist in dieser Zeit von Mo. - Fr. 9.00 - 23.00, Sa. 9.00 - 16.00 Uhr geöffnet.

Die Sammlung umfasst insgesamt 239 Stücke, darunter zahlreiche Erstausgaben. Zu den bemerkenswertesten Stücken der Sammlung gehören auch zahlreiche buchkünstlerisch gestaltete Titel, Einblattdrucke und illustrierte Titel. Künstler, die sich mit dem Werk H.C. Artmanns auseinandergesetzt haben sind u.a. Uwe Bremer, Reinhard Kleist, Ernst Fuchs, Karlheinz Pilcz, Sita Jucker, Axel Hertenstein, Peter Malutzki, Ironimus, Paul Renner, Christian Thanhäuser, Markus Vallazza, Hubert Sommerauer, Michael Gölling und Gudrun Hommers. Unter den Künstlerbüchern befinden sich auch zwei Exemplare des von Uwe Bremer illustrierten Titels "Gesaenge der Haemmer", von denen einer mit einem künstlerischen Handeinband aus Leder von Werner G. Kießig ausgestattet ist.

Die Sammlung dokumentiert Artmanns Schaffen von den ersten Veröffentlichungen in den sehr seltenen Literaturzeitschriften Alpha, Eröffnungen, Publikationen u.a. über die ersten Buchveröffentlichungen (Mid ana schoazzn dintn, Das Suchen nach dem gestrigen Tag, verbarium, Grünverschlossene Botschaft u.v.m.) bis hin zu den Gesamtausgaben seiner Prosa, Theaterstücke und Lyrik und den posthum veröffentlichten Werken wie z.B. die Briefe an Herbert Wochinz.

Die ungewöhnliche Sammlung von 45 von Artmann übersetzten Titeln aus beinahe allen westeuropäischen Sprachen sucht in deutschen Bibliotheken ihresgleichen. Sie gibt einen hervorragenden Einblick in die umfangreiche Übersetzertätigkeit von Artmann. Diese reicht von der Übersetzung von keltischer religiöser Dichtung, von Trivialprosa der Schwestern, Ashford, Nonsensversen von Harry Graham, über die zahlreichen Übersetzungen dänischer, italienischer, spanischer und französischer Dramatiker für die Bühne von Herbert Wochinz, über Lovecraft, die Balladen von Villon, der Lapplandreise von Linné bis hin zur Übertragung von Asterix ins Wienerische. Inwieweit Artmann auch der Übersetzter des in der Sammlung befindlichen „Dracula“ von Bram Stoker ist, harrt noch einer eindeutigen Beantwortung.

Die Präsenz Artmanns im literarischen Kanon der 50er Jahre bis zur Gegenwart belegen eindrucksvoll die zahlreichen nicht nur österreichischen Sammelwerke und Anthologien. Auch hier bieten die Beiträge in Kinderbüchern, Mundart-Lesebüchern, literarischen Zeitschriften, lyrischen Anthologien, aber auch in Merianheften und Schullektüren eindrucksvolle Zeugnisse für Artmanns chamäleonhafter Vielgestaltigkeit einerseits und starker literarischer Vereinnahmung (gegen manchmal schwachen Protest) andererseits.
Gleichzeitig finden sich in den programmatischen Werken der Wiener Gruppe und solchen über sie Belege eines sehr unabhängigen avantgardistischen Ausdrucks literarischen Strebens bei Artmann. Ein Höhepunkt der Schenkung sind die Schallplatten, auf denen u.a. Artmann selbst, Qualtinger, Wolfgang Bauer, Beikircher u.a. Texte Artmanns vortragen. Abgerundet wird die Sammlung durch Werke der Sekundärliteratur.

Die Artmann-Sammlung Knupfer hat in Deutschland keine Entsprechung. Wohl finden sich die gängigeren Titel auch in anderen Bibliotheken. Doch in dieser Fülle und Vollständigkeit der selbständig erschienenen Werke ist sie in der USB Köln einmalig. Nur die Landesbibliothek in Wien, die Artmanns Bibliothek und Nachlass 2004 erhalten hat, darf sich glücklicher schätzen.

Die Schenkung Karl-Heinz Knupfers an die USB ist ein großer Erfolg der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft. Herr Knupfer hofft Kölner Bürger zur Nachahmung anzuregen, damit noch mehr wertvolle Bücherschätze aus Kölner Privatsammlungen in der USB eine dauerhafte Bleibe finden.

Die Sammlung wird geschlossen aufgestellt, Bestandteil der Signatur ist der abgekürzte Name des Schenkers. Die Titel werden komplett in ihrer authentischen Form mit Originalumschlägen u. ä. erhalten. Die Einsichtnahme für Forschungszwecke erfolgt im Historischen Lesesaal.

Alle Titel werden in der Hausbuchbinderei der USB durchgesehen und ggf. repariert. Elf Titel werden von unseren Buchbindermeisterinnen, die bereits eine Anzahl bedeutender Preise errungen haben und ihren Lehrlingen, mit handwerklich gekonnten und künstlerisch interessanten Einbanden und Kassetten versehen.

Alle Titel sind im elektronischen Online-Katalog der USB erfasst. Darüber hinaus, wurde ein Sonderkatalog, der gedruckt und elektronisch vorliegen wird, erstellt, in dem alle Titel weit über das übliche Maß hinaus erschlossen und beschrieben sind

Als Dank an den Schenker und als Anregung zur weiteren wissenschaftlichen Beschäftigung mit Artmann hat die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) zusammen mit dem Zentrum für Moderneforschung an der Universität zu Köln das Buch "Sammeln und Lesen. Die Kölner H. C. Artmann-Sammlung Knupfer. Lektüren" herausgegeben. Der Band enthält neben zahlreichen Abbildungen den ausführlichen Katalog der Sammlung und acht wissenschaftliche Beiträge von Nachwuchsforschern des Zentrums für Moderneforschung. Diese nehmen den Impuls der Sammlung auf und setzten sich unter dem Leitbegriff "Lektüren" auf spannende Weise mit dem Lesen und Verstehen der Texte Artmanns auseinander und spüren der Frage nach, inwieweit Texte und Theorie sich gegenseitig anregen.

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