1604: Godefroy, Denis (Comm.)

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Einband Godefroy

Godefroy, Denis (Comm.)
Corpus Iuris Civilis Bd 1-3, renouata []et) prioribus correctior editio


Lyon, Vignon et Hierat, 1604
Sign.: GBV/91+A-1

Niederländischer Rollen- und Platteneinband, 1605

Vorbesitzer: W(illem) C(ornelissen) E(ques) 1605 (Einbandmonogramm).
Aus der Bibliothek des Jesuitenkollegiums, Köln.
Aus der Kölner Gymnasialbibliothek.
Besitzvermerke: 1. Dono Guil. Cornelij E(ques)
2. Collegii Societatis Jesu, Coloniae a(nno) 1631
424 x 265 mm

Helles Schweinsleder über Holzdeckeln, teilvergoldet. Über 5 Bünde geheftet. Deckelkanten in den Mitten und zum Schnitt hin abgeschrägt. 2 Messingschließen, Eck-Kantenbeschläge, Steh- und Kopfkantenbeschläge. Kapitalband naturfarben, Schnitt-Titel, Wasserzeichen im 2. Teil: Uroboros, darin eine spiegelbildliche in ein Kreuz auslaufende Vier. Einbandschmuck von Bd. 2 und 3 identisch. Beschädigt: Wurmlöcher, Vorderdeckel gebrochen. 1 Schließenarm fehlt.

Notwendige Restaurierung: Trockenreinigung. Wenige Papierrestaurierungen. Bünde, Schließen und Kantenbeschläge des Vorderdeckels lösen. Anfertigen eines neuen Holzdeckels. Bünde verpflocken. Aufbringen der originalen Kantenbeschläge und Schließen. Lederergänzungen. Ergänzen des Schließenarms.

Einband gebrochener Deckel Godefroy

Gebündelte Streicheisenlinien bilden recto wie verso fünf Rahmen um ein kleines rechteckiges Mittelfeld und markieren die Bünde und die Schrägen der Deckelkanten. Ein leerer Streifenrahmen an den äußeren Kanten umgibt eine unbezeichnete breite, doppelte Kranzrolle mit Palmetten. Die dritte Umrandung zeigt eine Tugendenrolle, sie wird oben und unten von zwei Riegeln eingeleitet, der obere trägt das Monogramm des Besitzers W(illem) C(ornelissen) E(ques), der untere das Fertigungsjahr des Einbandes, 1605. Dieunbezeichnete Tugenden-Rolle enthält die stehenden Figuren der Spes, Carita(s), Pruden(tia) und Fides. Zwei leere Riegel begrenzen oben und unten den vierten Rahmen, in dem sich eine Medaillon-Rolle mit zwei Köpfen im Blattwerk findet, der innere Rahmen, wiederum oben und unten von zwei leeren Riegeln begleitet, bleibt, bis auf vier, die Ecken des Mittelfelds besetzende, vergoldete florale Einzelstempel, leer. Ein in Gold abgeprägtes Plattenpaar bildet den Mittelpunkt der Buchdeckel: recto erscheint die stehende Justitia in einer Kartusche aus architektonischen Roll- und Bandwerk. Zwei Putten flankieren das Medaillon im Rollwerk, in dem ein fast vollständig ovales Band mit der Devise „Iustitia Legibus Parere Est Declinare A Malo Et Bonum Facere“ (Gerechtigkeit bedeutet, den Gesetzen zu gehorchen, sich vom Bösen abzuwenden und Gutes zu bewirken) beschriftet ist. Schließlich krönt eine Drolerie das rautenförmige Gefüge des Plattenstempels. Verso enthält die gleich gerahmte Kartusche das Bildnis der Caritas mit Kindern und dem kürzeren Schriftband mit einem Vers aus dem ersten Johannesbrief, Kapitel 4.16 „Qui Manet In Charitate, In Deo Manet“ ([Deus caritas est; et] qui manet in caritate, in Deo manet, [et Deus in eo manet] – [Gott ist die Liebe, und] wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, [und Gott bleibt in ihm]. Haebler und Schunke verzeichnen die Rolle und die Platten nicht, auch gibt es unter der Vielzahl der von Haebler aufgeführten Caritas/Justitia-Platten keine vergleichbare Um- oder Unterschrift.
Das bei Rietstap Bd. II, Pl. CXXVIII abgebildete Wappen Cornelissen, Holland, ist sehr wahrscheinlich das Stammwappen des Bucheigentümers, des Ritters Willem Cornelissen. Das Wappenschild enthält eine spiegelbildliche, in ein Kreuz auslaufende Vier, das Symbol, das ganz ähnlich im Wasserzeichen des Vorsatzpapieres vorkommt. Vermutlich übte Cornelissen einen juristischen Beruf aus; es gehörte durchaus zu den Gepflogenheiten der Rechtsgelehrten, den Buchbindern zur Herstellung ihrer Einbände mit dem eigenen Wasserzeichen versehene Kanzlei- und Vorsatzpapiere zur Verfügung zu stellen. Auch das Plattenpaar, Justitia und Caritas mit den in der Einbandliteratur völlig unüblichen Umschriften, ließ sich Cornelissen möglicherweise als Supralibros für seine Bücher eigens anfertigen und mit seinen Devisen versehen.
Der aus Frankreich stammende Verfasser, der gelehrte Zivilist Denis Godefroy (1549–1621), lebte als Protestant (im Exil) in Deutschland und in der Schweiz. In Köln absolvierte er einen Teil seiner Ausbildung; 1583 edierte er die erste Gesamtausgabe des Corpus Iuris Civilis.
Regine Boeff

Literatur
HANS BLUM, Die Kölner Gymnasialbibliothek. In: Tricoronatum. Festschrift zur 400-Jahr-Feier des Dreikönigsgymnasiums. Köln 1952, S. 122–125.
DENIS GODEFROY, in: Institut für Römisches Recht der Universität zu Köln www.uni-koeln.de/jur-fak/instroem/roemrechtkoeln2.html
REINHARD FELDMANN; GUNTER QUARG, Gymnasialbibliothek und Vorgängereinrichtungen in: Handbuch der historischen Buchbestände, Bd. 4. Hildesheim u. a. 1993, S. 42–45.
JOHANN DANIEL FERDINAND NEIGEBAUR, Die Jesuiten-Bibliothek zu Köln. In: Neuer Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekswissenschaft 25 (1864) S. 328–334.
ERNST PETER PODLECH, Die wichtigeren Stfte, Abteien und Klöster in der alten Erzdiözese Köln. Bd. 3, Breslau 1913, S. 221–230.
GUNTER QUARG, Die Sammlungen des Kölner Jesuitenkollegs nach der Aufhebung des Ordens 1773. In: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 62 (1991) S. 154–173.
JOHANNES BAPTISTA RIETSTAP: Planches de l´Armorial Général, Bd. II. Paris 1920, Pl. CXXVIII.
WOLFGANG SCHMITZ, Die Kölner Gymnasialbibliothek. In: Bildung stiften. Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds. Köln 2000, S. 84–93.

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Letzte Änderung: 09.12.2009
Webredaktion