1548: Gesner, Conrad

Buchpatenschaft bereits vergeben!

Einband Conrad Gesner

Gesner, Conrad

Lexicon graeco-latinum, collectum per Conradum Gesnerum etc.




Basel, Hieronymus Curio & Heinrich Petri, 1548


Signatur: GBII+A173+A



Einzelstempel- und Rolleneinband, Mainz?, um 1550


Aus der Bibliothek der Kölner Kartause St. Barbara


Aus der Kölner Gymnasialbibliothek


340 x 215 mm

Kalbleder über Holzdeckeln. Blindprägung. Auf 5 Bünde geheftet. 2 Kapitalbünde. Deckelkanten in den Mitten abgeschrägt. Lager und Blättchen von 2 Schließen. Je 3 von vier Stehkanten- und Eckkantenbeschlägen erhalten. Kapital: mit Leder umwickelte Schnur, naturfarben umstochen. Handschriftenmakulatur als Ansatzfalz.

Notwendige Restaurierungsmaßnahmen: Trockenreinigung. Risse schließen. Lederergänzung verso aus früherer Reparatur lösen. Fehlstellen im Holzdeckel ergänzen. Rücken und Ecke neu einledern, Original aufbringen. Schließen vervollständigen. Lederpflege.

Möglicherweise ist der Vorbesitzer des „Lexicons“ in Mainz zu suchen, denn das Vorsatzpapier ist dort um 1550 angefertigt worden (Piccard, Wasserzeichen: Krone mit zweikonturigem Bügel, Nr. 054055). Demnach ist mutmaßlich auch der interessante Einband um diese Zeit in Mainz oder Umgebung entstanden. Anleihen an französische Rollen und spanische Einzelstempel zeigt ein Teil des verwendeten Werkzeugs. Mit schmal/breit/schmalen Linien gab der unbekannte Buchbinder zunächst recto wie verso das Dekorationsschema vor: Fünf Rahmen mit zwei eingeschobenen Riegeln umgeben ein kleines rechteckiges Mittelfeld, in dem sich drei florale Stempel finden. Spanischen Einfluss zeigt eine kleine freistehende Eule. Im Mittelmeerraum waren diese wie Spielzeug anmutenden, perfekt, aber etwas flach geschnittenen Tiermotive verbreitet, sogar ein Maulwurf mit einem Dudelsack kommt dort gelegentlich vor. Abwechselnd mit kleinen heraldischen Lilien zeigt sich der Eulenstempel im dritten, trapezförmig unterteilten Rahmen. Um das Mittelfeld verteilen sich kleine Rosetten; heraldische Lilien besetzen die Riegel. Den zweiten Rahmen füllt eine gerautete Rolle im Stil französischer oder flämischer Werkzeuge, die vollständigen Rauten präsentieren im Wechsel eine Blüte und ein florales Ornament, die seitlichen Rautenhälften repetierend je eine halbe Blüte. Im vierten Rahmen verläuft ein Rankenband mit Akanthusblättern, die Streifen entlang der Deckelkanten bleiben leer. Auffallend tief sind die Mitten der Deckelkanten zum Schnitt hin abgeschrägt, die Schließen greifen zum Vorderdeckel. Regine Boeff

Der Züricher Conrad Gesner (1516–1565) ist vor allem als Naturforscher berühmt geworden, hat jedoch seine wissenschaftliche Laufbahn als Altphilologe begonnen. Während seiner Tätigkeit als Professor für griechische Sprache in Lausanne gab er 1537 – zunächst ohne seinen Namen zu nennen – ein griechisch-lateinisches Wörterbuch heraus. Das „Lexicon“ erlebte bald mehrere Neuauflagen und wurde von Gesner und seinem Mitarbeiter Arnold Arlenius (+ um 1561) so erweitert, dass sie schließlich als Autoren gelten konnten. 1548 erschien im Basler Verlag des Hieronymus Curio eine nochmals verbesserte Auflage, für welche der Humanist Hadrianus Junius (1511–1575) verantwortlich zeichnete. Das hier liegende, schön gebundene Exemplar wurde von einem Kanoniker den Kölner Kartäusern geschenkt und auf dem Titelblatt mit einem entsprechenden Eintrag versehen.

Von anderer Hand, wohl der des für die Bibliothek zuständigen Klosterbruders [vgl. Buchholz, S. 186–187, dieses Ex.], ist neben dem Druckort vermerkt, dass der Band „Cum expurgatione permissum“ sei. Was damit gemeint ist, zeigen die geschwärzten figürlichen Darstellungen der Holzschnittumrandung: Die nackte Glücksgöttin Fortuna ist ebenso übermalt worden wie die vergleichsweise harmlosen, da bekleideten Liebespaare links und rechts vom Titelsatz.

So bereinigt konnte das sonst unverfängliche Wörterbuch für die Ausleihe in die Zellen der Mönche bereitstehen.



Kartause St. Barbara

Der hl. Bruno (+1101), der Gründer des Kartäuserordens stammte aus Köln. Aus diesem Grunde besaß die 1334 hier gegründete Kartause besonderes Ansehen. Die in der südlichen Altstadt gelegene, in ihren Hauptgebäuden bis heute erhaltene Klosteranlage erhielt schon bald nach ihrer Fertigstellung eine umfangreiche Bibliothek. Der im Obergeschoss des Kapitelhauses untergebrachte Bestand wurde 1451 ein Raub der Flammen. Mit dem Neuaufbau wurde schon zwei Jahre später begonnen, und dank beträchtlicher Stiftungen an Geld und Literatur war die Sammlung schnell wieder auf der alten Höhe.

Der unter den Autoren der Kölner Niederlassung vielfach genannte Laurentius Surius (1522–1578) legte einen ersten Katalog der seinerzeit vorhandenen Drucke und Handschriften an, der noch im 17. Jahrhundert mehrfach erwähnt wird, heute aber verschollen ist. Vorhanden ist aber das nach Neuordnung der Bibliothek 1748 erstellte Verzeichnis, das sich im Historischen Archiv befindet und 7851 Bände mit etwa 10000 Titeln aufführt. Von diesen sind nach einer 1957 durchgeführten Bestandsaufnahme in den Signaturengruppen Gymnasialbibliothek und Wallraf noch 1100 nachweisbar. Aus ihnen geht hervor, dass die Sammlung fast ausschließlich durch Schenkungen vermehrt wurde.

Aus: Ganz Köln steckt voller Bücherschätze. Von der Ratsbibliothek zur Universitäts- und Stadtbibliothek. 1602–2002. Ausstellung im Foyer der Universitäts- und Stadtbibliothek vom 9. September bis zum 2. November 200. Ausstellung und Katalog: Gunter Quarg. Köln 2002, S. 101 und 103.

Bibliogr. Nachweis: VD16 G1752

Literatur

JOSEF BENZING, Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachgebiet. 2., verbesserte und ergänzte Auflage. Wiesbaden 1982 (= Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen 12), S. 35, Nr. 16 Heinrich Petri 1527–1579 und S. 39, Nr. 30 Hieronymus Curio ca. 1540–1564.

HUBERTUS MARIA BLÜM, Lexikale Übersicht der Kartausen im dt. Sprachraum. In: Die Kartäuser. Hrsg. v. Marijan Zadnikar. Köln 1983, S. 312–313 (Köln).

HANS BLUM, Die Kölner Gymnasialbibliothek. In: Tricoronatum. Festschrift zur 400-Jahr-Feier des Dreikönigsgymnasiums. Köln 1952, S. 122–125.

FRANZ BUCHHOLZ, Die Bibliothek der ehemaligen Kölner Kartause. Köln 1957, S. 163, S. 186 und Abb. 15.

WILHELM CLASSEN, Beiträge zur Geschichte der Klosterbibliotheken und -archive am linken Niederrhein zur Zeit der französischen Herrschaft (1794 ff), insbesondere zur Entstehung der Kölner Gymnasialbibliothek und der Spaenschen Sammlung. In: Düsseldorfer Jahrbuch 39 (1937) S. 277–286.

CONRAD GESSNER. Zürich 1837.

REINHARD FELDMANN; GUNTER QUARG, Gymnasialbibliothek und Vorgängereinrichtungen. In: Handbuch der historischen Buchbestände. Bd. 4, Hildesheim u. a. 1993, S. 42–45.

JOSEPH GREVEN, Die Kölner Kartause und die Anfänge der katholischen Reform in Deutschland. Münster 1935 (= Katholisches Leben und Kämpfen im Zeitalter der Glaubensspaltung 6).

HEINRICH GRIMM, Geadelte deutsche Buchdruckerfamilien im 16. und 17. Jahrhundert. In: Gutenberg-Jahrbuch 36 (1961) S. 257–271, darin: S. 265–268

(Henricus Petri, Druckerherr zu Basel).

CHARLES WILLIAM HECKETHORN, The printers of Basle in the XV. & XVI. Centuries. London 1897, S. 154–158 (Henry Petri of Langendorf) und S. 171 (Hieronymus Curio; dieser Titel Nr. 3).

FRANK HIERONYMUS, 1488 – Petri Schwabe 1988. Eine traditionsreiche Basler Offizin im Spiegel ihrer frühen Drucke. Bd. 2, Basel 1997, S. 1290, Nr. 453.

URS B. LEU, Conrad Gesner als Theologe: ein Beitrag zur Zürcher Geistesgeschichte des 16. Jahrhunderts Bern 1990 (= Zürcher Beiträge zur Reformationsgeschichte 14) (= Schriftenreihe der Stiftung Franz Xaver Schnyder von Wartensee 55). Zugl.: Zürich, Univ., Diss. 1989.

KLEMENS LÖFFLER, Deutsche Klosterbibliotheken. Bonn und Leipzig 1922

(= Bücherei der Kultur und Geschichte 27) S. 249–252 (Das Kölner Kartäuserkloster).

MÄHLY, Conrad Gesner. In: Allgemeine deutsche Biographie. 2., unveränd. Nachdruck der Leipziger Ausg. Bd. 9, Leipzig 1878, Berlin 1968, S. 107–120.

RICHARD BRUCE MARKS, The medieval manuscript library of the Charterhouse of St. Barbara in Cologne. Part 1, Chapter 4: The bindings of St. Barbaras manuscripts, Ithaca (NY),. Cornell Univ. Diss. 1973, S. 78ff.

JOHANN JACOB MERLO, Kunst und Kunsthandwerk im Kartäuserkloster zu Köln. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 45 (1886) S. 1–52.

ERNST PETER PODLECH, Die wichtigeren Stifte, Abteien und Klöster in der alten Erzdiözese Köln. Bd. 3, Breslau 1913, S. 176–183 (Das Karthäuserkloster in Köln).

STANISLAW RYBRANDT, Die Buchkunst der Kartäuser. In: Bücher, Bibliotheken und Schriftkultur der Kartäuser. Festgabe zum 65. Geburtstag von Edward Potkowski. Stuttgart 2002 (= Contubernium, Bd. 59) S. 195–197.

WOLFGANG SCHMITZ, Die Kartäuser und das Buch. In: Bibliothek und Wissenschaft 28 (1995) S. 95–110.

WOLFGANG SCHMITZ, Die Kölner Gymnasialbibliothek. In: Bildung stiften. Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds. Köln 2000, S. 84–93.

CHRISTEL SCHNEIDER, Die Kölner Kartause von ihrer Gründung bis zum Ausgang des Mittelalters. Bonn 1932 (= Veröffentlichungen des historischen Museums der Stadt Köln 2).

ALFREDO SERRAI, Conrad Gesner. [con una bibliografia delle opere] Rom 1991(= Il bibliotecario, N.S. 5).

Brauchen Sie Hilfe?
Facebook Icon  YouTube Icon
Letzte Änderung: 20.07.2009
Webredaktion