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Surius, Laurentius
Vitae Sanctorum, das ist das Leben … der fürnehmsten Heiligen … erstlich von Laurentio Surio und Francisco Haraeo in Latein beschrieben … übers. durch Valentinum Leuchtium Mit vielen neuen Legenden unterschiedlicher Heiligen und Seeligen Gottes Freunden mit sonderbahrem Fleiß vermehret und an vielen Orthen mercklich verbessert
Cöln, Frankfurt, Huisch, 1751
Signatur: GBXIII488
Vorbesitz: Familie Theodor Conrad Hogen (seit 1801)
Aus der Kölner Gymnasialbibliothek (Geschenk 1938)
350 x 214 mm
Verlagseinband. Braunes Kalbleder über Pappdeckel. Auf 5 Bünde geheftet. Reste von 2 Schließen.
Laurentius Surius (1523–1578) wurde in Lübeck geboren und dort möglicherweise protestantisch erzogen. Sein Studium absolvierte er in Frankfurt und Köln. Nach einer Anmerkung des Petrus Canisius (1521–1597) hatte dieser selbst den Kommilitonen wohl so überzeugend in die katholische Kirche eingeführt: „Ex haeretico Catholicus me adjutore Coloniae factus“, dass Surius in den Orden der Kartäuser eintrat und – beeindruckt auch von Justus Lansperger (1490–1539) – als leuchtendes Beispiel der Frömmigkeit und Gelehrsamkeit zeitlebens in Köln die strenge Klosterregel befolgte.
Surius unterstützte konsequent die antireformatorische Bewegung und suchte die Position der Papstkirche im Glaubenskampf mit zahlreichen Veröffentlichungen zu festigen. In diesem Sinne folgte er auch der hagiographischen Tradition der Kartäuser und edierte auf der Grundlage handschriftlicher, teilweise nicht mehr erhaltener und gedruckter Quellen sein bedeutendstes Werk, eine von 1570–1575 in sechs Foliobänden erschienene, nach Kalendertagen geordnete Sammlung von Heiligenviten, die den gläubigen Katholiken zur Belehrung und Erbauung dienen und die konfessionelle Konkurrenz mit Exempeln vorbildlichen Verhaltens beeinflussen sollte. Surius Heiligenlegenden erfreuten sich großer Beliebtheit und fanden – später auch in fremde Sprachen übertragen – weite Verbreitung, selbst wenn sie, in der Absicht, den Leser nicht zu langweilen, manchmal subjektiv beschrieben waren, und sich bei der (wie Surius zugeben musste, unvollständigen) Auswahl eine gewisse Leichtgläubigkeit des Verfassers zeigte. 1576 beschäftigte sich Surius bereits mit der zweiten erweiterten Ausgabe, von der er noch die ersten drei Bände veröffentlichen konnte.
Der publizistische Erfolg der Heiligenlegenden lag im Interesse der ebenfalls gegenreformatorisch eingestellten Kölner Jesuiten. Aus ihren Reihen machte sich besonders Johannes Rethius (1532–1574) für die Herausgabe der ursprünglich lateinischen Fassung, aber auch für eine gekürzte deutschsprachige Edition stark, um eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen. Es entstanden sogenannte Volksausgaben für Leser, die sich das mehrbändige Werk nicht leisten konnten oder die lateinische Sprache nicht beherrschten. Rethius konnte Henricus Fabritius (um 1540–1600) für die Übersetzung gewinnen. Die zweite deutschsprachige Auswahlausgabe übertrug der Kanonikus des Frankfurter Bartholomäusstifts Valentinus Leuchtius (1550–1619), dieser lag eine lateinische Auswahlausgabe zugrunde, die der Utrechter Theologe Franciscus Haraeus (Verhaer, ca. 1555–1631) zusammengestellt hatte. Sie fand noch größere Beachtung als die Version des Fabritius und erschien bis ins 18. Jahrhundert. Hier liegt sie mit der letzten Auflage von 1751 vor. Neben weiteren Quellen motivierten Surius Heiligenlegenden eine jesuitische Arbeitsgruppe vornehmlich flämischer hagiographischer Experten, die Bollandisten, zu ihrem Monumentalwerk der „Acta Sanctorum“, das bis heute mit 67 Teilbänden noch nicht abgeschlossen ist. Die ersten beiden konnte der nachträgliche Namensgeber, Jean Bolland (1596–1665) im Jahre 1643 fertigstellen.
Für den Druck der vorliegenden Ausgabe sorgte Johann Wilhelm Huisch (1697–1765). Seine Offizin führte er von 1722 bis 1759. Huisch gehörte der Gaffel Windeck an, war von 1720 bis 1762 Ratsherr und 1748/49 Gaffelmeister. Der vornehme Buchhändler und Druckerverleger verfügte ab 1745 über ein kurfürstlich-erzbischöfliches Privileg auf fünf Jahre; dennoch geriet das Unternehmen bald in Konkurs; 1757 konnte ein Wechsel über 2665 Reichstaler für den Buchbindermeister Noack, der möglicherweise auch den vorliegenden schlichten Einband angefertigt hatte, nicht ausgelöst werden. Regine Boeff
Literatur
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